Interview mit Prof. Dr. Andreas Johannsen (FH Brandenburg), Dietmar Hausmann (Leiter Technischer Labordienst, Service und Organisation der FH Brandenburg) und Hans-Peter Schmidt/ Herr Prof. Dr. Wolfgang Riggert (FH Flensburg) zum Academic-Alliance-Programm von EMC.
In Zusammenarbeit mit EMC bieten Fachhochschulen und Universitäten ihren Studenten ein zunehmend praxisbezogenes Studium an. Im Rahmen des „Academic-Alliance-Programms“ soll die Wissenslücke zwischen Praxis und Lehre im Bereich Storage und Informationsmanagement geschlossen und die Studenten so besser auf ihr Berufsleben vorbereitet werden. Das Academic-Alliance-Programm wird weltweit an über 250 Universitäten und Fachhochschulen umgesetzt, dabei schwerpunktmäßig in den USA, China und Russland.
Was macht aus Ihrer Sicht den Reiz an dem Academic-Alliance-Programm aus?
Schmidt: Die Datenmengen, die gespeichert werden müssen, nehmen rasant zu. Insofern werden natürlich auch die entsprechenden Technologien, um dieser Datenflut Herr zu werden, immer wichtiger. Mit dem Academic Alliance Projekt möchten wir unseren Studenten diese Technologien näher bringen.
Hausmann: Als Laborleiter und Leiter der Serviceorganisation bei uns im Fachbereich liegt für mich der Reiz darin, dass ich einen Partner aus der Praxis habe. Den Studenten können neue Projekte und Technologien vermittelt werden, die direkt vom Hersteller kommen und so immer „up to date“ sind.
Den Professoren an Fachhochschulen wird nachgesagt, näher an der Praxis zu sein, als ihre Universitätskollegen. Wie halten Sie sich und Ihre Studenten auf dem Laufenden, wenn es sich um schnell entwickelnde Technologien wie im Storage-Umfeld handelt?
Johannsen: Ich denke, wir haben einfach ein bisschen mehr Zeit, um uns mit der Praxis auseinanderzusetzen. Bei den Hochschulprofessoren dagegen nimmt die Forschung viel Zeit in Anspruch. Durch meine vorherige Berufspraxis - sieben Jahre in der Beratung - habe ich sehr gute Kontakte zur Wirtschaft. Ich suche aktiv die Nähe zu Unternehmen und habe selber auch noch Beratungsprojekte, in die ich meine Studenten einbeziehe.
Kann man mit dem Academic-Alliance-Programm die Praxis in den Hörsaal holen?
Schmidt: Ja, auf jeden Fall. Bereits durch die Train-the-Trainer-Schulung, die EMC für die Lehrenden anbietet, bekommt man viele Informationen aus der Praxis. Dies können wir dann im Rahmen der Vorlesungen und Seminare an die Studenten weitergeben.
Das Thema Datenspeicherung wird immer wichtiger. Informationsmanagement und Speichertechnologien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Marktprognosen von IDC kommen zu dem Schluss, dass die Informationsmenge explosionsartig anwachsen wird (in 2011 auf 1,8 Billionen Gigabyte). Wie definieren Sie Informationsmanagement?
Schmidt: Es geht erst einmal darum, Informationen zu speichern. Dann müssen die Informationen aber auch dauerhaft archiviert und der Datenfluss innerhalb einer Firma definiert werden. Folgende Fragen spielen dabei eine Rolle: Was verstehe ich eigentlich unter Datenfluss? Wo befinden sich meine Daten? Wie werden sie gesichert? Wie werden sie mir wieder zurückgespielt? Und was passiert beispielsweise im Desasterfall?
Hausmann: Informationsmanagement ist natürlich viel mehr als nur das Speichern der Informationen. Es geht um die Schöpfung von Mehrwert aus Informationen für die Geschäftsprozesse. Ich denke, auf diesem Gebiet ist EMC stark unterwegs, sowohl von den Speichertechnologien her, als auch im Bezug auf die Rückgewinnung und die Auswertung der Daten.
Wenn Studenten Wissen rund um Informationsmanagement und Datenspeicherung erwerben, welches Berufsbild kommt dann in Frage? Ist man dann Systemadministrator?
Schmidt: Man ist natürlich nicht nur Systemadministrator, man ist Informationsmanager. Als Informationsmanager müssen wir immer definieren, was wir mit den Daten machen und wem sie zur Verfügung stehen. Es sind nicht nur einfache Daten, die in einer Tabelle gespeichert werden, sondern es sind komplexere, globale Daten, die man speichern und mit denen man sich beschäftigen muss.
Sehen Sie einen wachsenden Bedarf an IT-Spezialisten? Die Branche leidet ja seit längerem unter dem Fachkräftemangel? Wo sehen Sie die Ursachen und Lösungswege für dieses Problem?
Johannsen: Das ist keine einfache Situation. Man kann sicherlich nicht den schwarzen Peter nur der Politik oder den jungen Leuten zuschieben, die lieber etwas einfaches, nicht so Mathematisch-Technisches studieren wollen. Oder die sich für einen Beruf entscheiden, mit dem man schnell Geld verdienen kann. Ich denke, dass wir die Faszination des Bereichs digitale Medien und Informationsmanagement noch stärker klar machen müssen. Hier wird ja auch von den Verbänden einiges getan.
Man liest und hört des Öfteren, dass die IT gewissermaßen nicht „sexy“ genug sei.
Schmidt: Letztlich hängt vieles davon ab, wie „sexy“ so ein Studiengang ist. Die Wahl des Studiengangs hängt sehr stark von den Inhalten ab und wie es um die späteren Berufsaussichten steht. Deshalb versuchen wir, unseren Studiengang möglichst attraktiv zu gestalten.
Johannsen: Ich würde sagen, das stimmt gerade so nicht. IT ist eigentlich sexy. Es gibt neuerdings auch eine Menge junge Leute, die IT spannend finden und eine eigene IT-Jugendkultur bilden. Wir hatten letztes Wintersemester im Studiengang Wirtschaftsinformatik die größte Zahl an Erstsemestern der ganzen Fachhochschule.
Hausmann: Wo kommt dieser Fachkräftemangel her, gerade in der IT Branche? Ich sehe die IT als Werkzeug. In den letzten Jahren hat sie sich aber gewandelt, hin zu mehr Service-Orientierung. Die IT ist von der reinen Systemadministration eigentlich schon weg und bietet jetzt Dienste nach außen an. Diese Dienste werden vom Business angenommen und vorangetrieben, um Geschäftsprozesse zu fördern. In den letzten Jahren haben sich viele neue Technologien entwickelt, für deren Anwendung es nicht genügend Fachkräfte gibt. Deshalb sehe ich es als Anforderung an die Universitäten und Hochschulen, dieses neue Technologiewissen zu vermitteln und so dem Fachkräftemangel letztendlich entgegenzuwirken.
Die IT hat sich rasant entwickelt. Hat sich der Studiengang Informatik in den letzten zehn Jahren verändert? Wie ist Ihre Erfahrung hinsichtlich der Auslastung und Beliebtheit des Studiengangs Informatik?
Johannsen: Wir können den Studiengang interessant machen, indem wir zeitgemäße Abschlüsse anbieten und uns Partner aus der Wirtschaft suchen. An der Fachhochschule Brandenburg haben wir beispielsweise den Studiengang Security-Management zusammen mit T-Systems und SAP gegründet. Wir können uns vorstellen, auch in anderen Bereichen praxisnahe, neue Studiengänge einzuführen, die die neuen Berufsfelder bedienen. Die Informatik hat sich sehr stark entwickelt. Das hängt sicher auch mit dem Bologna-Prozess und der Einführung neuer Master- und Bachelor-Abschlüsse zusammen. Bei der Gelegenheit wurde Einiges entstaubt und viele angewandte Informatikstudiengänge, wie z.B. Wirtschaftsinformatik, zusätzlich eingeführt.
Wie wird das Academic-Alliance-Programm in den Vorlesungsplan integriert? Ab wann starten Sie mit der Umsetzung?
Schmidt: Wir werden dieses Wintersemester mit dem Academic-Alliance-Programm starten. Der Kurs wird als Wahlpflichtfach angeboten und dann 4-stündig über das gesamte Semester laufen.
Johannsen: Wir werden auch schon im Wintersemester starten. Wir werden die Inhalte des Academic-Alliance-Programms schon in die Erstsemesterveranstaltung „Grundlagen und Anwendungen der Wirtschaftsinformatik“ einbauen. Ich halte das für sinnvoll, da es im Bereich der Speichertechnologien sehr innovative Neuerungen gibt. Ab nächsten Sommer werden wir dann auch das Modul „Storage Technology Foundations“ als Wahlpflichtfach anbieten. Unser Verständnis vom Academic-Alliance-Programm schließt auch Exkursionen zu EMC oder Referenzkunden ein. Außerdem wollen wir Gastdozenten, wie beispielsweise Techniker von EMC, in das Projekt involvieren.
Welche neuen Inhalte bieten Sie den Studierenden an?
Johannsen: Wir betrachten in den Veranstaltungen beispielsweise Backup-und Recovery-Lösungen, Storage Area Networks und sicherlich auch NAS.
Hausmann: Die neuen Möglichkeiten von Content Addressed Storage sind interessant, weil es eine günstige Speicherlösung ist, besonders für die Archivierung. Die Lösungen, die wir hier im Train-the-Trainer-Kurs kennengelernt und gesehen haben, sind hochinteressant für die Ausbildung.
Schmidt: Zumindest in dieser Tiefe sind Themen wie Content Addressed Storage und die SAN-Technologie noch nicht vermittelt worden. Insofern ist dieser Kurs bei EMC sehr hilfreich. In Zukunft können wir unseren Studenten diese Themen jetzt sehr viel detaillierter und besser vermitteln.
Was versprechen Sie sich von dem Programm für Ihre Studenten und Ihre Hochschule?
Johannsen: Zum einen sind wir an guter, praxisorientierter Ausbildung interessiert. Zum anderen versprechen wir uns davon bessere Berufseinstiegschancen für unsere Studenten. Natürlich möchten wir auch den Ruf unserer Fachhochschule verbessern. Das erreichen wir am Besten durch die Zusammenarbeit mit großen Playern aus der Praxis.
Hausmann: Das Academic-Alliance-Programm ist für uns neu. Der größte Vorteil besteht darin, dass durch das Programm eine Community entstehen kann, in der man sich austauscht und Partner findet. Die Community bezieht sowohl die Lehrenden, als auch die Studenten und die Partner aus der Geschäftswelt ein. Dadurch entsteht für alle ein Mehrwert.
Es gibt die Tendenz zur verstärkten Zusammenarbeit von Industrie und Bildungseinrichtungen. Welche Erfahrungen haben Sie an Ihrer Fachhochschule gemacht und welche Vorteile bieten Kooperationen aus Ihrer Sicht?
Schmidt: Die Bachelor-Thesis wird bei uns zum größten Teil in Zusammenarbeit mit Unternehmen erarbeitet. Das sind oft Arbeitgeber, bei denen die Studierenden dann hinterher auch beschäftigt werden. Unsere Absolventen haben momentan keine Probleme, gute Arbeitgeber finden.
Erhalten die Studenten nach dem Kurs ein offizielles Zertifikat von EMC oder einen normalen „Schein“ im Rahmen der Studienordnung?
Johannsen: Beide Modelle sind bei uns angedacht und möglich. Es ist wichtig, dass die Studierenden direkt offiziell das EMC-Zertifikat erwerben können. Daneben gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten, die hohe Kompetenz des Hauses EMC in unsere Curricula und Aktivitäten einzubauen.
Letzte Frage: Was fällt Ihnen spontan zu der These ein: „Informationen sind das Kapital des 21. Jahrhunderts.“
Johannsen: Ich finde die These absolut richtig. Wir sind noch lange nicht durch das Informationszeitalter hindurch. Während dieser Woche bei EMC ist mir klar geworden, dass es nicht so sehr nur um das Herunterladen von „Junk-Informationen“ geht. Sondern darum, dass Unternehmen ein echtes Problem haben, wenn sie zwanzig Minuten lang nicht mehr an ihre Systeme kommen, weil dort unternehmenskritische Informationen liegen. Riesige Datenmengen von Transaktionen, die früher überwiegend papierbasiert abliefen, müssen sicher gespeichert und ausgewertet werden. Sonst steht die heutige Wirtschaft still. Dieser Trend wird sich meiner Meinung nach noch verstärken.
Hausmann: Nicht jede Information ist Kapital. Es kommt darauf an, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zur Verfügung zu haben, um daraus Kapital zu schöpfen. Man muss genau diesen Unterschied in den Informationen entdecken können, um sich von unwichtigen Informationen zu trennen, den Speicherplatz zu reduzieren und sich nur auf relevante Daten wirklich zu konzentrieren. Dann kann man möglichst schnell Gewinn für das Unternehmen aus ihnen ziehen.
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