Von Sanjay Mirchandani
Ich erinnere mich noch daran, als mir das erste Mal klar wurde, dass das Web wirklich groß werden würde. Aber ich hatte auch eine Ahnung, dass es uns eine „Freiheit mit Fußfesseln“ geben würde. Freiheit, Informationen mit zunehmender Geschwindigkeit zu erhalten. Fußfesseln in Form von unvorhersehbaren Zugriffen, eingeschränkten Verbindungsanschlüssen und belegten Telefonleitungen.
Die Unannehmlichkeit, von einer unausgereiften Technologie eingeschränkt zu werden, wurde von einem kollektiven Enthusiasmus überschattet: wir waren in kürzester Zeit schwer begeistert. Und natürlich sah jeder, der in der IT-Branche arbeitete, das Potential des Webs.
Die Fußfessel entwickelt sich
Doch die Fußfesseln blieben. Heutzutage stammen sie nicht von unzuverlässigen Verbindungen, sondern von ununterbrochener Verbindung. Wir können zu jedem wachen Zeitpunkt an unseren Arbeitsplatz gebracht werden, wenn wir wollen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es im Privatbereich ratsam ist, rund um die Uhr online zu sein. Jeder braucht eine Auszeit, Familienzeit, einen Ausgleich. Unsere Aufgabe im IT-Bereich ist es, diesen Ausgleich zu ermöglichen.
Mein Vater arbeitete im Transportwesen. Die beiden Kommunikationsmittel seiner Wahl waren Telefon und Faxgerät. Er nahm das Faxgerät jedoch nicht mit nach Hause. Mein Vater gönnte sich eine Auszeit in dem Wissen, dass er am Morgen die gefaxten Aufträge der letzten Nacht vorfinden würde.
Selbst vor ein paar Jahren war es noch absolut in Ordnung, eine Email 24 oder 48 Stunden nach deren Eingang zu beantworten. Diese Einstellung hat sich geändert. Wenn Menschen mit Ihnen Kontakt aufnehmen, erwarten sie eine unmittelbare Reaktion, ganz egal, ob Sie gerade in Timbuktu sind. Und wenn Sie nicht antworten, lesen Sie möglicherweise kurz darauf eine „Wo bist du?“-Nachricht an Ihrer Facebook-Pinnwand. Die Web 2.0-Technologie verwischt die Grenzen zwischen unserem Verbraucher- und Arbeitsleben.
Unsere Persönlichkeiten vereinen
Produktivität und persönliche Verbindungen sind Markenzeichen für Web 2.0. Nun gehört es zur Etikette eines Unternehmens, sich selbst in das Produkt Web 2.0 einzubringen.
Meiner Meinung nach wird sich die nächste Welle vor allem darauf konzentrieren, ein Gleichgewicht zwischen unseren privaten und unseren Arbeitspersönlichkeiten zu finden. Viele von uns tragen beispielsweise zwei Handys mit sich herum, um unsere geschäftlichen und privaten Kontakte und Emailnachrichten voneinander getrennt zu halten. Wir werden jedoch an einen Punkt gelangen, an dem die Technologie es uns ermöglicht, nur ein Gerät zu verwenden, mit dem wir unsere zwei Persönlichkeiten trotzdem auseinander halten können.
Unternehmen werden die Erfahrungen, die wir als Verbraucher machen, an unseren Arbeitsplatz bringen. Das war schon beinahe mit Web 1.0 der Fall, als wir lernten, wie wir Informationen gewinnen und Geschäfte durchführen. Jetzt, mit Web 2.0, versucht jeder herauszufinden, wie er soziale Medien im Arbeitsbereich nutzen kann. Dieses Blatt ist noch weitgehend unbeschrieben. Ich kann kaum abwarten zu sehen, was passieren wird.
Muster in der Wolke entdecken
Ich sehe eine unglaubliche Parallele zwischen dem, was in den frühen Jahren des World Wide Webs geschah, und den Möglichkeiten des Cloud Computing Wir wissen, dass wir diesen sehr ehrgeizigen nächsten Schritt in die Wolke – die Zukunft der Informationstechnologie – wagen können und dabei nicht stolpern werden. Wir wissen es, denn wir erinnern uns, dass sich alles geändert hat, indem wir das Web angenommen haben. Die frühen Tage des Webs haben sich auf das Lesen von Informationen konzentriert. Dann hat der E-Commerce Unternehmen auf der ganzen Welt erreichbar gemacht. Mit dem Cloud Computing können Unternehmen eine noch größere, sichere Skalierbarkeit erreichen.
Ich hatte vor 20 Jahren eine Ahnung, dass aus dem Web etwas wirklich Großes werden würde, aber heute ist mir klar, dass ich keine Vorstellung davon hatte, wie riesig es werden würde. Innerhalb der Wolke wartet schon eine Erfahrung der nächsten Generation auf uns. Die technologischen Parallelen bestehen.
Sanjay Mirchandani ist Senior Vice President und Chief Information Officer bei EMC
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