Technikskepsis und verhaltene Reaktionen auf Neuerungen sind kein neues Phänomen, weder hierzulande noch anderswo. Es gibt nur wenig, das dem Menschen so widerstrebt, wie alte Gewohnheiten abzulegen und Terra incognita zu betreten. Wen wundert es da, dass die Bereitschaft, Social Media – Internetplattformen für benutzergenerierte Inhalte – in Unternehmensetagen zu etablieren, eher verhalten ist?
„640k sollten für jeden genug sein“, soll Bill Gates im Jahr 1981 auf einer Computermesse gesagt haben. Ob wahr oder nicht – das Zitat hält sich bis heute hartnäckig und verdeutlicht, welchem Tempo technologische Innovationen unterliegen. Was heute den neuesten Stand repräsentiert, kann morgen schon veraltet sein. Gerade die Informationstechnologie verlangt somit den Menschen ein zügiges Schritttempo ab. Während dies im Privatleben insbesondere für die jüngere Generation kein Problem zu sein scheint, hinken viele Unternehmen in Deutschland hinterher, wenn es um die Nutzung von Social Media am Arbeitsplatz geht. Die Sorge vor Kontrollverlust seitens der Unternehmensführung mag natürlich nicht vollständig unbegründet sein. Wer den Weg von Facebook, Twitter und Co. beschreitet, gibt ein stückweit die Fäden aus der Hand. Denn wenn jeder Mitarbeiter Wissen einbringen und sich austauschen kann, greifen alte Hierarchien bald nicht mehr. Andererseits steigt die Verantwortung jedes einzelnen innerhalb eines großen Netzwerks. Eine offene Unternehmenskultur reicht hier nicht als Etikett, sondern muss tatsächlich geschaffen und praktiziert werden. Bei Social Media in der Arbeitswelt geht es nicht so sehr um einen technologischen, sondern vielmehr um einen kulturellen Wandel. Umso wichtiger ist es, sich nach 20 Jahren Internet damit auseinanderzusetzen, um nicht den Anschluss an internationale Märkte zu verlieren.
Wer junge Fachkräfte für sein Unternehmen begeistern, Wissensmanagement fördern und innovationsfähig bleiben will, kann über kurz oder lang nicht auf Social Information Management verzichten. Anstatt in Skepsis zu verharren, sollten die Risiken abgewägt werden, um sich rechtzeitig vor ihnen zu schützen. Auf die durch Social Media sich bietenden Chancen wird langfristig kein Unternehmen verzichten wollen. Weltweites Wissen steht jedem im Internet in Echtzeit zur Verfügung. Darüber hinaus ist die Bedeutung des Internets als Vertriebsplattform enorm gestiegen. In der Allensbacher Computer- und Technik-Analyse, ACTA 2009 heißt es, 97 Prozent der Internetnutzer recherchieren im Netz nach Produkten und Dienstleistungen. Dies sind erfolgversprechende Kanäle für Firmen, um sich mit Kunden und Partnern direkt auszutauschen. Unternehmen sollten umdenken in Richtung Interaktion, die das traditionelle Sender-Empfänger-Modell immer stärker ablöst.
Social Software und das damit verbundene Social Information Management leisten einen neuen Wertschöpfungsbeitrag für Organisationen – in der Kommunikation, bei Reputation, Vertrieb und Innovationen. Man denke an den Stellenwert von E-Mails als ein Kommunikationsmittel, das heutzutage papierbasierten Schriftverkehr nahezu ersetzt. Zwar ist bekanntlich aller Anfang schwer. Doch wer nie anfängt, wird auch nie etwas zustande bringen – so besagt ein altes Sprichwort.
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