In Bankschließfächern werden Vermögenswerte seit Jahrhunderten von Privat- und Geschäftsleuten deponiert und ein Schlüssel garantiert den alleinigen Zugang. Wenn aber hochsensible Unternehmensinformationen in die Cloud wandern und nicht mehr im eigenen Rechenzentrum verwaltet werden, ist Vertrauen zwar gut, doch Vorsorge unerlässlich. Soweit sind IT-Verantwortliche sich hierzulande weitgehend einig: Cloud Computing und die Frage nach der Sicherheit scheinen ein untrennbares Begriffspaar zu sein. Weniger Einigkeit hingegen herrscht bei Anwendern wie Anbietern in Bezug darauf, was Cloud-Computing-Dienste tatsächlich sind und inwiefern sie sich von bereits bestehenden Angeboten unterscheiden. Welche Möglichkeiten und Mehrwerte Cloud Services aktuell tatsächlich bieten, was sich in der Praxis bereits durchgesetzt hat und wo Anwendern noch der Schuh drückt – das erklären Peter Knapp, Geschäftsführer von Interxion Deutschland und Jürgen Stauber, Geschäftsführer IT Solutions & Outsourcing bei Computacenter.
Cloud Computing wird momentan als Sammelbegriff für praktisch alles genutzt, was heute modern sein will in der IT. Was verstehen Sie darunter und wie setzen Sie Cloud Computing ein, respektive um?
Peter Knapp: Kurz gefasst: Unter Cloud Computing versteht Interxion eine dezentrale On-demand-Nutzung von IT-Infrastruktur, im Speziellen Rechnerleistung, die durch einen Pool von Systemen erbracht wird, der über digitale Netze wie dem Internet miteinander verbunden ist.
Jürgen Stauber: Computacenter versteht unter Cloud Computing End-to-End-Services, die verbrauchsabhängig bezahlt werden und sich bezüglich der erforderlichen Volumen dynamisch den Business-Anforderungen anpassen. Abhängig von dem Standardisierungs- und Sharing-Grad werden die Services in Private Cloud Services, Virtual Private Clouds sowie den Public Clouds, wie beispielsweise Amazon und Google eingeteilt. Letztere haben in der Regel geringere Service-Güte-Merkmale als Private Cloud Services mit hohen Individualitätsmöglichkeiten und kommen daher für den professionellen Einsatz vielfach noch nicht in Betracht. Bei zu treffenden Entscheidungen dürfen hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Wir sehen die Cloud Services grundsätzlich als Weg der kommenden Jahre auf den sich Computacenter bereits eingestellt hat.
Inwieweit stellen Sie bereits Cloud-Computing-Services für Ihre Kunden zur Verfügung? Welche sind das? Und welche Vorteile ergeben sich hierdurch für den Kunden?
Knapp: Interxion übernimmt für seine Kunden den Rechenzentrumsbetrieb und bietet Managed Services. Unsere Carrier-neutralen Rechenzentrumsdienstleistungen (Colocation) werden in hohem Maß von Service Providern genutzt. Diese stellen basierend auf dieser leistungsfähigen, ausfallsicheren und skalierbaren Infrastruktur ihren Kunden Cloud Services zur Verfügung.
Stauber: Computacenter hat bereits seit 2006 Kunden erfolgreich auf die Private-Cloud-Plattform überführt. Unter „Outsourcing 2.0“ übernehmen wir heute bereits für unsere Kunden IaaS-End-to-End-Services (Infrastructure as a service). Diese ermöglichen dem Kunden die angestrebten Service Level Agreements (SLAs), flexibilisieren Kosten, garantieren Skalierbarkeit bei der Inanspruchnahme (Pay as you use) der Services, verleihen Flexibilität in der Bereitstellung der Services und erlauben natürlich Kostentransparenz sowie deutliche Kostenreduktionen. Wir verstehen uns zudem als Service-Integrator, der – wo es sinnvoll ist – Public-Cloud-Angebote integriert, um den Kunden Best-of-Breed bieten zu können.
Inwieweit hat Cloud Computing den Betrieb von Rechenzentren jetzt schon verändert? Wohin geht Ihrer Meinung nach der Trend?
Knapp: Durch die Nutzung von Cloud Services sollen vorhandene Ressourcen optimal oder besser gesagt maximal effizient ausgelastet werden. Dies fängt bei der Rechenkapazität an und reicht bis zur optimalen Ausnutzung von Stellflächen in Rechenzentren. Es wird also versucht, das Optimum aus der vorhandenen Infrastruktur herauszuholen. Die Infrastruktur muss in diesem Zusammenhang sowohl extrem leistungsfähig als auch skalierbar sein, um für den Betrieb von Cloud Services notwendige High-Density-Installationen realisieren zu können. Dazu bedarf es zusätzlich zu einer redundanten Stromversorgung sowie ausfallsicherer Klimatisierung auch ausreichender Stromkapazität. Darüber hinaus gewinnt die Netzwerkanbindung durch dezentrale Rechenleistungen zunehmend an Bedeutung. Auch hier sind redundante und skalierbare Anbindungen notwendig, damit sich trotz aller gebotenen Effizienz der Datentransport nicht zum Flaschenhals entwickelt.
Welchen Mehrwert können Sie durch den Einsatz von Cloud Computing für Ihre Kunden erbringen?
Stauber: Zentrale Voraussetzung für die effiziente Bereitstellung von Cloud Services ist eine präzise Kenntnis der genauen Service- und SLA-Anforderungen des Kunden sowie etablierte Entscheidungsstrukturen, die eine konsequente Umsetzung in der eigenen Organisation erlauben. Erst dann können die angestrebten Vorteile wie Kostenreduktion und
-transparenz, anforderungsgerechte End-to-End-Service-Verfügbarkeit, Flexibilisierung in der Bereitstellung der Services und des Service-Volumens sowie kontinuierliche Teilnahme an Innovationen sinnvoll zum Einsatz kommen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern: Innerhalb der Kundenorganisationen gibt es sehr unterschiedliche Anforderungen im Hinblick auf die erforderlichen Services, SLAs und System-Performanzen. Einen Kunden mit einem Client-Modell zu bedienen, würde dieser Heterogenität nicht gerecht werden. Erst die detaillierte Kenntnis der Anwenderanforderungen, der eingesetzten Applikationen sowie der erforderlichen SLAs erlauben ein kundenspezifisches End-to-End-Service-Modell mit gegebenenfalls hohen Virtualisierungsanteilen. Ein Versicherungskonzern beispielsweise kann durch die Bereitstellung des adäquaten, anwenderspezifischen Endgerätes, wie Fat Clients oder Thin Clients sowie der erforderlichen Applikationen über traditionelle Software-Verteilung auf dem Fat Client oder durch Application Streaming auf dem Thin Client deutliche Kosteneinsparungen realisieren. Ergänzend wird für Spezial-Arbeitsplätze der virtuelle Client, der im zentralen Rechenzentrum läuft, genutzt. Computacenter unterstützt Kunden während der Evaluierungsphase methodisch, um das für sie geeignete (Misch-) Modell in einem wirtschaftlichen und erfolgreichen Business Case zu finden. Im Rechenzentrumsbereich geht der Weg ebenfalls weiter: bereits heute bieten wir unseren Kunden hochstandardisierte physische oder virtuelle Storage- und Serverleistungen bedarfsorientiert Pay-as-you-use an. Diese Form des Utility oder Cloud Computings in der Form des IaaS-Services ist also nichts Neues. Gemeinsam mit führenden Herstellern wie EMC integrieren wir ständig neue Technologien, um das Angebot noch dynamischer und bedarfsorientierter gestalten zu können.
Wenn man von Cloud Computing spricht, geht es automatisch auch immer um die Fragen nach Compliance und Sicherheit. Wie gewährleisten Sie, dass Prozesse und Daten bei Ihnen sicher und gesetzeskonform in der Cloud funktionieren?
Knapp: Das Thema Sicherheit und Compliance ist in aller Munde und steht bei den Entscheidern sehr weit oben auf der Agenda. Die Evolution ist an dieser Stelle auch noch nicht abgeschlossen. Es muss aber jeweils individuell entschieden werden, welche Daten in einer Cloud vorgehalten werden und welche nicht. Darüber hinaus hat die Fragestellung, welche einzelnen Modelle, wie etwa Private, Public oder Community Cloud, für das Unternehmen in Frage kommen, höchste Relevanz.
Stauber: Die Frage impliziert geradezu hohe Anforderungen an die Compliance von IT Services. Umso mehr gilt dies für Cloud Services. Computacenter setzt im Rahmen seiner Outsourcing 2.0 sowie Outsourcing 2.0 flex+ Services ausnahmslos nach ISO 27001 zertifizierte Erbringungseinheiten ein. Darüber hinaus werden Service-Prozesse wie auch Tools und Infrastrukturen mandantenfähig bereitgestellt, so dass diese Regularien-konform voneinander abgegrenzt sind. Durch die Abbildung bei Computacenter in Private Clouds sind die Datenhaltung sowie die Möglichkeiten des Datenzugriffs für die Kunden transparent und technisch wie auch prozessual abgesichert.
Ist Cloud Computing ein Fluch oder ein Segen für die Outsourcing-Branche?
Stauber: Cloud Computing ist der konsequente Schritt zu mehr Standardisierung und Transparenz in der IT. Anwender können damit Kosten flexibilisieren und senken sowie kurzfristig auf Geschäftsanforderungen reagieren. Im Dienstleistungsbereich werden sich neue Partnerkonstellationen und neue Private- wie auch Public-Angebote bilden. Diese Entwicklung zu negieren hilft nicht: Dienstleister müssen die Leistungsangebote in Best-of-Breed-Lösungen für ihre Kunden integrieren.
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