Leadership & Innovation
Die Inforati-Dateien
Q&A mit Dany Levy: Gründerin von DailyCandy
Von Tim Devaney und Tom Stein

Es ist drei Uhr morgens, und Dany Levy, Gründerin von DailyCandy sitzt vor ihrem Laptop. Während der Rest der Welt schläft, schreibt sie blitzschnell E-Mails und blättert in ihren Lieblingsnachrichtenseiten im Netz herum.

„Ich kann meinen Computer einfach nicht ausschalten“, bekennt die Informationssüchtige. „Meine Freunde und meine Familie macht das wahnsinnig. Sogar meinen Freund macht es verrückt.“

Es wurde so schlimm, dass Levy versuchte, ihren Computer jeden Abend beim Pförtner abzugeben. Dieses Ritual hielt sie ungefähr eine Woche lang durch. „Ich lag im Bett und dachte, ich müsste irgendetwas Produktives tun“, erinnert sie sich.

Während sich ihre Informationssucht vielleicht negativ auf ihr Privatleben auswirkt, verhalf sie ihr gleichzeitig dazu, einen der bekanntesten E-Mail-Newsletters der gesamten USA ins Leben zu rufen. Täglich verschlingen etwa 2,3 Millionen Abonnenten DailyCandy – auf der Suche nach den neuesten, angesagtesten Trends, sei es die neue Sushi-Bar um die Ecke oder das Buch, das man unbedingt gelesen haben muss.

Wann haben Sie erstmals die Macht der Informationen erkannt?
Als Kind war ich fasziniert von dem Spiel „Stille Post“ und davon, wie sich Geschichten beim Weitererzählen verändern können. Es ist äußerst spannend, wenn zwei Menschen dieselbe Information erhalten und diese auf völlig unterschiedliche Art und Weise weiterverwerten.

Auf beruflicher Ebene erinnere ich mich an einen Artikel, den ich für DailyCandy über diesen winzigen Laden geschrieben habe, wo diese fantastischen Donuts hergestellt werden. Urplötzlich wollten andere Magazine auch darüber berichten. Ehe man sich versah, musste dieser kleine Donut-Laden in viel größere Räume umziehen. Es ist erstaunlich, wie eine kleine positive Information dabei helfen kann, ein Geschäft erfolgreich zu machen.

Wann haben Sie erstmals erkannt, dass Sie ein Inforati sind? Was brachte Sie auf die richtige Spur?
Ich war nicht die Modebewussteste in meinem Umfeld. Aber die Leute sprachen mich an, wenn sie wissen wollten, was sie ihrer Mutter zum Geburtstag schenken sollten, oder wo sie mit ihren Großeltern Essen gehen konnten. Ich betrachte mich selbst als Schwamm, der alles aufsaugt. Im Grunde genommen ist es meine Aufgabe, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und zu unterscheiden, welche Informationen es wert sind, weitergegeben zu werden, und welche nicht.

Warum sind die Leute so versessen darauf zu wissen, was angesagt ist?
Ich glaube, das ist ein Urinstinkt des Menschen. Es reicht zurück bis in die Zeit von Jane Austen, als die Leute wissen wollten, welchen Hut sie tragen und zu welchem Hutmacher sie gehen sollten. Aber ich glaube, heutzutage besteht eine größere Dringlichkeit, Informationen zu erhalten. Schauen Sie sich doch nur mal die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern an. Sie können nicht mehr ohne tragbaren DVD-Player in ein Restaurant gehen, weil ein stiller Moment einfach nicht stattfinden darf. Alle brauchen den ständigen Reiz. Manchmal sehe ich jemanden einfach Löcher in die Luft starren, und ich denke mir: „Mensch, das sollte ich auch öfter tun.“

Es gibt offenbar so viele Informationen – nutzlose wie wertvolle – die uns heutzutage umgeben. Wie gehen Sie mit dieser Informationsflut um?
Ich habe früh gemerkt, dass ich die Fähigkeit besitze, den Ramsch zu durchwühlen und auf interessante Dinge zu stoßen.

Bei DailyCandy haben wir die Regel, dass wir nicht über etwas schreiben, das uns nicht gefällt. Das machen wir so, weil wir die Zeit der Leser nicht verschwenden wollen. Kein Geschäft war je verärgert über den Anruf von DailyCandy. Wir machen Menschen jeden Tag per E-Mail eine Freude, bringen Sie zum Lachen, verhelfen Ihnen zu neuen Information oder empfehlen Ihnen einfach ein gutes neues Restaurant. Diese Seite meiner Persönlichkeit mag ich lieber als die der ernsthaften Journalistin, die „Hate Mails“ bekommt.

Nennen Sie drei Ihrer Hauptinformationsquellen.
E-Mails sind an der Spitze. Die anderen beiden Quellen sind die New York Times und der Drudge Report, die ich wegen all der Geschichten lese, die das Leben schreibt. Die einzige Zeit, zu der ich fernsehe, ist während meines Fitness-Trainings.

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