Leadership & Innovation
Die Inforati-Dateien
Q&A mit A.J. Jacobs: Autor von „The Know-it-All“
Von Tim Devaney und Tom Stein

Zehn Jahre nach dem College-Abschluss fühlte sich A.J. Jacobs als würde er jeden Tag dümmer werden. Er ist Journalist im Showbusiness und verantwortlich für Publikationen wie Entertainment Weekly und Esquire, seine intellektuellen Kunststücke bestehen aus Interviews mit C-Promis und Kritiken neuer Sitcoms.

„Mein IQ hat eine Bauchlandung gemacht“, sagt er. „Ich wusste bald mehr über Homer Simpson als über Homer, den griechischen Dichter.“

Also begibt sich Jacobs auf die Suche: er hat die komplette Enzyclopedia Britannica mit all ihren 32 Bänden, 33.000 Seiten und 44 Millionen Wörtern gelesen. Es dauerte 18 Monate und nahm jede Minute seiner Freizeit in Anspruch, aber er brachte sein Vorhben zu Ende. Danach machte er sich daran, ein höchst amüsantes Buch über diese Erfahrung zu schreiben, mit dem Titel The Know-It-All: One Man's Humble Quest to Become the Smartest Person in the World (dt. etwa: Der Alleswisser: Der bescheidene Versuch eines Mannes, der klügste Mensch der Welt zu werden).

Ist er wirklich zum Genie geworden? „Ich bin kein Albert Einstein“, so Jacobs. „Ich bin nicht einmal Alfred Einstein, der übrigens Alberts entfernter Cousin und ein bekannter Musikhistoriker war, mit einem eigenen Eintrag in der Enzyklopedia Britannica.“

In der Tat ein Alleswisser.

Welche ist die wichtigste Information, die Sie aus der Enzyclopedia haben?
Ich hätte dort gerne eine Information gefunden, die mir das Leben retten könnte. Zum Beispiel wenn ich in der Arktis gestrandet bin und weiß, dass ich keine Eisbärenleber essen darf, weil sie eine toxische Menge an Vitamin A enthält. In dieser Art gibt es bisher nichts. Aber ich habe eine gewisse Weisheit erlangt, die meine Sichtweise auf das Leben verändert hat. Wenn Sie den Verlauf der Menschheitsgeschichte betrachten, sehen Sie, dass Menschen sowohl zu schrecklichen als auch großartigen Dingen fähig sind. Letztendlich überwiegen die großartigen Dinge, was mir Hoffnung gab und mich optimistischer gemacht hat.

Glauben Sie, dass das Lernen zu vieler Informationen Ihren Geist so vollstopfen kann, dass Sie dadurch dümmer werden?
In meinem Buch steht viel über die Beziehung zwischen Informationen und Intelligenz. Es ist nicht dasselbe – die bloße Kenntnis Tausender Fakten macht Sie nicht intelligenter – aber es besteht eine Verwandtschaft. Fakten und Intelligenz sind wie Cousins. Mit dieser Metapher meine ich, dass Tatsachen der Treibstoff sind und Intelligenz der Motor. Je mehr Fakten Sie haben, desto mehr Treibstoff haben Sie für Ihren Motor und desto besser ist Ihre Fähigkeit, Verbindungen zwischen Dingen herzustellen und zu kreativen Lösungen zu kommen.

Wann haben Sie erstmals erkannt, dass Sie ein Inforati sind?
So lange ich denken kann, waren die Informationen meine „erste Liebe“. Ich habe Sachbücher gelesen, seit ich ein Kind war. Ich habe sogar gerade eines in der Hand, es heißtFascinating Facts. Prüfen Sie es nach – haben Sie gewusst, dass im Jahr 1740 eine Kuh der Hexerei für schuldig befunden und öffentlich erhängt wurde? Manche Menschen sammeln Briefmarken oder Münzen. Leute wie ich, die besessen sind von der Suche nach Informationen, sammeln Fakten. Auf eine besondere, unbekannte Tatsache zu stoßen, ist so wie an eine seltene Briefmarke zu besitzen.

Nennen Sie Ihre Hauptinformationsquellen.
Ich benutze die Enzyklopedia Britannica immer noch ziemlich häufig, obwohl ich meistens die elektronische Version lese und nur noch selten in der Druckversion nachschlage. Wussten Sie, dass der Forscher Ernest Shackleton die gesamte neunte Auflage in der Antarktis bei sich hatte, und er sie letztendlich zum Feuermachen benutzt hat, um nicht zu erfrieren? Mit Ihrem Computer können Sie das nicht machen, ohne an den giftigen Dämpfen zu ersticken. Ich bin auch begeistert von Wikipedia – ein bemerkenswertes Hilfsmittel im Hinblick auf die Leichtigkeit, mit der auf Informationen zugegriffen werden kann. Aber ich würde mich nie allein auf Wikipedia verlassen, weil ich glaube, dass es immer noch einige Probleme mit der Genauigkeit gibt.

Wer ist Ihr Idol im Bereich Informationen?
Johann Wolfgang von Goethe, weil er der ultimative Universalgelehrte ist. Er war Kritiker, Journalist, Rechtsanwalt, Maler, Theaterleiter, Staatsmann, Pädagoge, Soldat, Astrologe, Schriftsteller, Philosoph, Alchemist, Textdichter, Botaniker, Biologe, Farbtheoretiker, Bergwerksinspektor, Militäruniformdesigner und Verwalter von Bewässerungssystemen. Im 18. Jahrhundert konnte man Experte auf allen möglichen Themengebieten sein. Heute ist es viel schwieriger, weil die Informationstiefe bei jedem einzelnen Thema gewaltig ist. Ich schätze, ich bin im falschen Jahrhundert geboren.

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