Die Freudenberg IT KG ist erfolgreich im Markt für IT-Dienstleistungen für den Mittelstand unterwegs - und das auch auf internationalem Parkett. Mit einem Umsatzanteil von mehr als zwei Drittel am freien Markt in Deutschland liegen Sie an der Spitze der ausgegründeten IT-Unternehmen - noch vor Siemens IT-Solutions and Services, T-Systems und Lufthansa-Systems. Im Interview mit EMC verrät Dr. Martin von Hoyningen-Huene, Managing Director der Freudenberg IT KG, sein Erfolgsrezept: ein profundes Verständnis mittelständischer IT-Anforderungen, SAP-Know-How der ersten Stunde und internationale Präsenz gepaart mit engagierten Mitarbeitern sowie Manager, die Veränderungen als Chance begreifen.
Herr Dr. Hoyningen-Huene, wie haben sie es geschafft sich an die Spitze der erfolgreichen IT-Ausgründungen in Deutschland zu setzen?
Wir hatten einzigartige Startbedingungen in unserem Konzern: Wir waren von Anfang an nicht bevorzugter Anbieter in der Gruppe. Umgekehrt hatten wir keine Lieferverpflichtung. Durch diese damals harte, im Rückblick jedoch weise Entscheidung, wurden wir auf den Markt getrieben. Unser Markterfolg hat uns dann wiederum für die Freudenberg-Einheiten interessant gemacht. Uns hat auch geholfen, dass wir Pionierkunde von SAP waren. SAP hat gemeinsam mit uns wesentliche SAP-Module entwickelt. Seit dieser Zeit leben wir eine enge und vertrauensvolle Partnerschaft. Wir sind zum Beispiel einer von neun globalen SAP-Hosting-Partnern. Der eigentliche Schlüssel unseres Erfolgs liegt aber in der umfassenden Kompetenz und dem vorbildlichen Engagement unserer Mitarbeiter
Wie übertragen Sie die Erfahrungen als IT-Dienstleister der global agierenden Freudenberg-Gruppe auf die nachweislich gute Beratung für mittelständische Unternehmen?
Freudenberg ist eine Gruppe mittelständischer Unternehmen im Familienbesitz. Wir haben Prozessgestaltung und IT-Umsetzung immer schon als Einheit gesehen. Deshalb kennen wir die Prozesse unserer Kunden besonders gut. Wir sind ein verlässlicher Ansprechpartner auf Augenhöhe. Für unsere Kunden ist es wichtig, uns jederzeit anrufen zu können. Der Mittelstand erwartet, dass wir ihn weltweit unterstützen. Als Teil der weltweit aufgestellten Freudenberg-Gruppe können wir das - mit einem weltweit einheitlichen Qualitätsstandard.
Inwieweit unterscheiden sich die Bedürfnisse und Anforderungen an Prozesse und IT-Infrastrukturen von mittelständischen Unternehmen im Vergleich zu Konzernen
Mittelständische Unternehmen sind meist inhabergeführt und langfristig orientiert. Auch unser Ziel ist eine langfristige, nachhaltig erfolgreiche Partnerschaft. Unser Kunde erhält alles aus einer Hand. Wir bieten von der SAP-Beratung über den SAP-Betrieb bis hin zu einem Komplett-Outsourcing der IT-Infrastruktur alles an. Dazu kommt, dass wir unseren Kunden mit unserem Produkt Adicom eine weltweit führende Lösung für die Fertigungsplanung und -steuerung bieten können. Damit bieten wir von der Fertigung über das Finanzwesen bis zur Managementinformation komplette IT-Lösungen für den Mittelstand.
Sie betreiben Rechenzentren auf drei Erdteilen. Welche Strategie verfolgen Sie bezüglich der IT-Ausstattung dieser Knotenpunkte?
Wir betreiben ein virtuelles Rechenzentrum mit sieben Standortausprägungen in Deutschland, den USA und China. Die Infrastruktur aller Standorte gleicht sich wie ein Ei dem anderen. Das ist einzigartig und ermöglicht uns neben Skaleneffekten eine höhere Betriebsqualität, als es die großen IT-Dienstleister mit ihrer heterogenen Rechenzentrumslandschaft bieten können. Wir verfolgen außerdem eine Strategie der maximalen Redundanz, bis ins kleinste Detail. Nicht umsonst sind wir in diesem Jahr Finalist beim SAP Pinnacle-Award für Outsourcing-Qualität.
Sie agieren als globaler SAP-Hosting-Partner in einem sehr dynamischen Umfeld. Wie reagieren Sie zeitnah auf die unterschiedlichen Kundenanforderungen?
Auf der Server-Seite setzen wir auf dedizierte Hardware, um unsere Kunden bei Systemeinstellungen und Wartungsfenstern voneinander unabhängig zu halten. Die Hardware-Auslastung maximieren wir, indem wir verschiedene Systeme eines Kunden auf dem gleichen Server betreiben, wenn dies sinnvoll ist. Auf der Storage-Seite setzen wir auf hochflexible und redundante Lösungen. Hier ist EMC für uns ein wichtiger Technologiepartner. Die Managed-Service Angebote von EMC stellen eine interessante Möglichkeit dar, um Bedarfsspitzen abzudecken. Wir haben im letzten Jahr unsere Hosting-Kapazitäten verdreifacht. Die hohe Nachfrage erfordert aber bereits für 2009, die Kapazitäten erneut zu verdoppeln. Ein so schnelles Wachstum wurde erst durch unsere einheitlichen Standards möglich.
Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Risiken für Ihre Kunden, wenn es um den Schutz von Informationen geht?
Wir empfehlen, einen einheitlich hohen technischen Schutz nach außen, um einfache Einfallstore zu verriegeln. Mit einheitlich meine ich, dass viele Firmen ihre Wände panzern, aber dann die Terrassentür offen lassen. IT-Security ist aber nicht nur eine technische Aufgabe und darf sich nicht nur nach außen richten. Viele Risiken gehen von Insidern wie unzufriedenen Mitarbeitern aus. Durch schlampiges Berechtigungsmanagement haben Mitarbeiter oft unnötige Berechtigungen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schulung, um Risiken aus Ahnungslosigkeit und Nachlässigkeit zu vermeiden. Genau aus diesen Gründen haben wir in unserem Konzern in diesem Jahr eine offensive IT-Security Awareness-Kampagne gestartet.
Welche Rolle spielen Informationen im Rahmen der Geschäftsprozesse Ihrer Kunden?
Informationen und ihre Aufbereitung entscheiden über geschäftlichen Erfolg oder Misserfolg. Unser Kunde Berner zum Beispiel ist im Schraubenvertrieb agiler als andere, da er eine intelligente Außendienstlösung einsetzt, die ständig in Kontakt zum SAP-System steht. Putzmeister kann sein dynamisches Wachstum als Marktführer in China nur steuern, da er end-to-end Transparenz über die ganze Auftragskette und seinen Instandhaltungsbedarf hat und so die Ressourcen effizient einsetzen kann. Panopa betreibt mit uns als IT-Partner Läger für Kunden wie Daimler, ThyssenKrupp oder Terex. Dank SAP im Lager wird eine bessere Integration in die SAP-Systeme der Kunden erreicht. Durch diese durchgängige Informationskette betreibt Panopa Läger besser, effizienter und zuverlässiger als Wettbewerber mit selbstgestrickten Inselsystemen. Benteler steuert seine Just in Sequence-Produktionen mit unserer Adicom Software. Sobald bekannt ist, in welcher Reihenfolge die BMWs in Spartanburg über das Band laufen werden, steuert unsere Software die zugehörigen Achsen durch die Produktion von Benteler und bis in die Endmontage. Auch Airbus setzt auf Adicom, um den Ressourceneinsatz in der A380 Endmontage zu optimieren. Webasto oder MTU Friedrichshafen nutzen Adicom weltweit, um die Fertigungsreihenfolge in ihrer Produktion in Echtzeit an neue Informationen vom Kunden oder aus der Fertigung anzupassen. Durch intelligente Management-Informationscockpits ermöglichen wir Firmen wie ZF Sachs, Beru oder Merck aus der großen Fülle an Information die richtigen Schlüsse abzuleiten.
Inwieweit spielt das Thema Green-IT bei Ihren strategischen IT-Entscheidungen eine Rolle?
Green IT hat eine direkte und eine indirekte Dimension. Direkt heißt: Unsere neuen Rechenzentren haben wir schon aus wirtschaftlichem Interesse grün gebaut. Wir streben auch eine optimale Auslastung der verwendeten Infrastruktur an, hierzu leistet beispielsweise die Virtualisierung im Storage-Umfeld einen wesentlichen Beitrag. Die indirekte, aber auch interessantere Seite ist: Durch intelligente IT-Lösungen wird der Kohlendioxidausstoß in der Gesamtwirtschaft reduziert. Laut McKinsey sind 40 Prozent aller wirtschaftlich sinnvollen CO2-Reduktionspotenziale IT-enabled. Ein Viertel dieses riesigen Potenzials lässt sich allein durch effizientere Supply Chains heben. Entscheidend sind hier IT-gestützte durchgängige Optimierungen über alle beteiligten Logistikpartner hinweg. Aus diesem Grunde haben wir unsere Kompetenz im Logistikumfeld gezielt ausgebaut.
Welches sind die aus Sicht der IT größten Herausforderungen, vor denen Sie im Moment stehen und wie lösen Sie diese?
Wir sind in den letzten drei Jahren von 300 auf 500 Mitarbeiter gewachsen. Die größte Herausforderung für uns ist, so attraktiv für engagierte Mitarbeiter zu sein, dass wir dieses von unseren Kunden vorgegebene Wachstumstempo beibehalten können. Unser Maßnahmenpaket „Be a part of FIT“ umfasst die Werbung durch Mitarbeiter ebenso wie eine verstärkte eigene Berufsakademieausbildung und die gezielte Rekrutierung von Quereinsteigern. Quereinsteiger, wie erfahrene Controller oder Werkslogistiker, vertiefen dann bei uns ihre IT-Kompetenz und können die Kunden später auf Basis ihrer eigenen Praxiserfahrung hervorragend beraten. Um deutschlandweit Talente gewinnen zu können, haben wir neben unserem Hauptstandort im Rhein-Neckar-Dreieck mittlerweile Standorte in Hamburg, Balingen, Neuenburg und München. Wir profitieren derzeit stark davon, dass viele unserer Wettbewerber gekauft werden, umstrukturieren oder eine unsichere Zukunft haben, während wir zu Recht als Fels in der Brandung gesehen werden. So wechseln mittlerweile auch ganze Teams vom Wettbewerb zu uns.
Wie hat sich die Rolle des Geschäftsführers eines IT-Dienstleisters Ihrer Ansicht nach in den letzten Jahren verändert?
Das IT-Geschäft hat sich in den letzten Jahren nicht nur technisch verändert. Auch die Gesetzmäßigkeiten der Branche und die Geschäftsmodelle haben sich radikal gewandelt. Als Geschäftsführer sehe ich eine meiner wesentlichsten Aufgaben darin, diese Veränderungen als Chancen zu nutzen, falsche Beharrungstendenzen aufzubrechen und neue Orientierung zu geben. Ich muss die Mitarbeiter dazu anregen, ihre Tätigkeit immer wieder neu zu hinterfragen und in den Veränderungen nach Chancen zu suchen. Uns ist es gelungen, eine Kultur des konstruktiven Dialogs und Unternehmertums zu entwickeln. Ohne dieses Engagement der Mitarbeiter wären wir nicht der führende Full-Service-IT-Dienstleister des Mittelstands geworden. Das Engagement und damit die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter ist unser wichtigstes Asset. Es zeigt sich direkt in der Kundenzufriedenheit und damit auch in unserem langfristigen Wachstum. Diese wesentliche Change-Management Aufgabe gilt auch für jeden CIO.
Wenn Sie einen Ausblick in die Zukunft wagen würden: wie werden mittelständische Unternehmen im Jahr 2030 ihre Geschäftsprozesse organisieren?
Alle Prognosen sind sich einig, dass bis dahin das Internet der Dinge, also die allumfassende IT-Vernetzung unserer Umwelt, weitgehend realisiert sein wird. Durch intelligente – auch spontane – Vernetzung werden so sehr schnelle Regelkreise und flexible Prozesse möglich. Gleichzeitig wird die Unternehmens-Software überall quasi aus der Steckdose verfügbar sein. Sie wird sich mit wenig Aufwand an spezifische Anforderungen der Firmen und einzelner Nutzer anpassen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass auch 2030 das Zentrum aller erfolgreichen Prozessketten immer noch der Mensch ist. Es liegt in der Verantwortung jedes Managers, Prozesse so zu gestalten, dass sich Mitarbeiter als Menschen entfalten können und Kunden sich als Menschen unterstützt fühlen.
Weitere Informationen
Weitere Informationen









