Das Datenvolumen der Welt wächst in ungebremster Geschwindigkeit. Schuld daran sind wir selbst. Denn durch die zunehmende Digitalisierung unseres privaten und beruflichen Alltags tragen wir in erheblichem Maße dazu bei, dass das digitale Universum im Jahr 2011 mit 1,8 Billionen Gigabyte zehnmal so groß sein wird wie in 2006. Jährlich steigt die Anzahl der generierten Informationen um 60 Prozent. Bisher waren dafür vor allem digitale Fotos, Musikdateien, Email-Flut und in zunehmendem Maße auch Bewegtbilder à la Youtube verantwortlich. Eine neue Studie von IDC fördert zwei neue Dimensionen in der Betrachtung der Ursachen zutage.
Gemeint ist der „Digitale Schatten“. Dieser speist sich aus dem passiven Beitrag, den jeder Mensch täglich zum Informationswachstum leistet. Dazu gehören Daten, die beispielsweise bei der Benutzung eines Handys oder einer Kreditkarte, gespeicherten Websuchen, Gesundheitsdaten oder digitalen Daten öffentlicher Kameras als Metadaten oder Logfiles automatisch entstehen. Und dieser digitale Schatten eines jeden Einzelnen ist mehr als doppelt so groß wie die wissentlich aktiv erzeugte Menge an Daten.
Die andere Dimension ist der schier unstillbare Energiehunger, den Youtube, Google und Co. verursachen. Auch dieser steigt rapide an. Lag der Stromverbauch eines Servers zur Jahrtausendwende noch bei einem Kilowatt (KW), so sind es heute fast 10 KW. Und Unternehmen, die heute neue Rechenzentren bauen, planen bereits in Größenordnungen von 20 KW pro Rack.
Wann kollabiert das Internet?
Digitaler Schatten, private und berufliche Informationen – die Datenberge wachsen allerorten. Doch wann fangen wir mit dem Aufräumen an? Vielleicht liegt in der Debatte um die Energieeffizienz die große Chance. „Green IT“ ist eines der großen Branchenthemen. Das hat nicht zuletzt die CeBIT gezeigt. Denn die Folgen des Energieverbrauchs von IT stehen mittlerweile im Kontext zur globalen Klimaveränderung – und gehen damit jeden etwas an. Vielleicht liegt genau hierin aber auch die Chance, eine breiter angelegte Diskussion rund um die Verursachung der Datenexplosion anzustoßen. Wenn wir an den Punkt gekommen sind, dass wir ausrechnen, wie viel Strom eine Google-Abfrage verbraucht und wie hoch der damit einhergehende CO2-Ausstoß ist, mutet das zunächst etwas skurril an. Doch eben das Internet steht sinnbildlich für das Wuchern neuer Informationen und Daten. Mittlerweile brauchen Video-Downloads und Musiktauschbörsen so viel Platz, dass Experten bereits den drohenden Infarkt für das Jahr 2010 prognostizieren. Und der digitale Schatten wächst auf Basis all der Geschäftsprozesse, die zunehmend Internetbasiert ablaufen.
Vielleicht muss es ja nicht bis zum Infarkt kommen. Vielleicht sollten sich Politik, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sowie jeder einzelne Anwender und vor allem wir in der IT-Branche fünf einfache Fragen stellen:
- Welche Daten sind wichtig und müssen gespeichert werden?
- Müssen sie für den permanenten Zugriff vorgehalten werden?
- Wie lange müssen die Daten vorgehalten werden?
- Wann können sie gelöscht werden?
- Wer kümmert sich darum?
Von der IT lernen
Die Unternehmen haben sich bereits vor Jahren diesen und ähnlichen Fragestellungen gewidmet. Mit Information Lifecycle Management, der strukturierten Bewertung von Informationen, hat die IT-Branche damals einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So wurde Organisationen ermöglicht, ihr Datenwachstum zu kanalisieren und effizienter zu managen. Mittlerweile hat dieses Thema die Grenzen von IT-Abteilungen und ihren „Kunden“, den Mitarbeitern, überschritten. Denn so massiv wie nie zuvor verändert IT derzeit die Art, wie Menschen ihr Leben gestalten – mit allen positiven wie negativen Konsequenzen. Und vielleicht können wir Dinge, die wir im IT-Umfeld gelernt haben, in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext stellen. Oder anders gesagt: Die Zeit ist reif für Information Lifecycle Management 2.0 ...
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