TK-Provider stehen vor neuen Herausforderungen: Pflicht zur Vorratsdatenhaltung, Konvergenz und neue Services sind die Themen, die sie zur Zeit in Atem halten. Für alle drei ist ein ausgefeiltes Datenmanagement unumgänglich.
Die Zeiten, da UMTS ein Mauerblümchendasein führte, sind vorbei. 2006 nutzten laut Allensbacher Computer Analyse immerhin schon 2,2 Millionen Deutsche ein UMTS-Handy. Schnelle Datenkarten für den Laptop erfreuen sich gerade unter Geschäftskunden großer Beliebtheit. Zur Einführung des neuesten Blackberry-Modells konnte der Technische Leiter des Providers Vodafone stolz verkünden: "UMTS wächst bei uns stärker als WLAN!"
Der Breitband-Mobilfunk macht Konvergenz von Daten und Sprache endlich auch im Mobilnetz zur Realität, und zwar ohne Abrechnungs-Kalamitäten. Für den Anwender weniger offensichtlich, verändern sich die Provider-Netze auch im Inneren: Eine neue Middleware-Generation IMS (IP Multimedia Subsystem), hält Einzug und führt zu Millioneninvestitionen. IMS trennt TK-Hardware konsequent von TK-Diensten und ermöglicht dadurch, dass jeder Dienst auf jedem Endgerät laufen kann. Zudem können Provider damit schneller als bisher neue Services entwickeln und bereitstellen. Schließlich müssen sie nicht auf die Eigenheiten der Hardware achten.
Das bedeutet Infrastrukturabhängigkeit: Services, die bisher nur im Festnetz möglich waren, gibt es zukünftig auch mobil und umgekehrt. Innovative Dienste wie "Find me, follow me", der den Anwender auf seinem jeweiligen Endgerät unter einer Nummer aufspürt, egal, wo er nun ist, sind damit möglich.
Innovative Dienste für mehr Differenzierung
Dadurch verschärft sich auch die Konkurrenz zwischen den Providern, denn die Grenzen zwischen Mobil- und Festnetzwelt entfallen nun mehr und mehr. Folgerichtig sehen sie ihre Zukunft in neuen Diensten, mit denen sie sich differenzieren können: Innovative Navigatonssysteme oder Multi-User-Onlinespiele sind nur zwei von unzähligen denkbaren Varianten. Doch mit der Zahl der Services wachsen auch die Datenberge und mit ihnen die Kosten für ihre Speicherung und Verwaltung.
Damit die Provider optimalen Nutzen aus diesen technischen Entwicklungen ziehen können, müssen sie zudem ihre Geschäftsprozesse ändern: So lassen sich in einem IMS-Netz alle Nutzerdaten in einheitlichen, Service-übergreifenden Datenbanken zusammenfassen und dadurch einheitliche Abrechnungen erstellen. Das beeinflusst die Datenhaltung: Einen Bedarf nach neuen Diensten kann schließlich nur erkennen, wer seine Nutzerdaten langfristig, gut strukturiert und schnell auswertbar vorhält, etwa für die Einspeisung in Data Warehouses oder Business-Intelligence-Systeme.
Und schließlich setzt auch der Gesetzgeber die Provider hinsichtlich der Datenspeicherung unter Druck: So tritt ab dem 1. Januar 2008 das "Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen" in Kraft, wonach alle Verbindungsdaten über den Zeitraum von sechs Monaten gespeichert werden müssen. Innerhalb weniger Stunden müssen künftig Anfragen von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten beantwortet werden. Dabei kann es beispielsweise darum gehen, mit wem ein bestimmter Teilnehmer in einem bestimmten Zeitraum telefoniert hat, ob die Angerufenen untereinander ebenfalls kommuniziert haben oder von wem der Teilnehmer E-Mails bekommen hat. Kurzum: die Neuregelung bedeutet einen erheblichen Aufwand, denn alle Daten vom Eingang der Anfrage über die damit zusammenhängenden Geschäftsprozesse wie etwa die Rechnungsstellung müssen möglichst automatisiert verwaltet, archiviert und zu einem festgesetzten Zeitpunkt gelöscht werden können. Dabei muss der Prozess auch wirtschaftlich abbildbar bleiben.
Wo so unterschiedliche Anforderungen an die Datenhaltung gleichzeitig erfüllt und zudem wirtschaftliche Effizienzgesichtspunkte beachtet werden müssen, müssen neue Prinzipien für die Speicherinfrastruktur angesetzt werden. Dazu dient die Umsetzung von ILM (Information Lifecycle Management)-Konzepten. Die Idee dahinter: Speichersysteme werden mehrstufig aufgebaut und die Daten entsprechend ihrem sich ständig verändernden Wert automatisch zwischen verschieden kostspieligen und leistungsfähigen Speichermedien verschoben. Die Möglichkeit zur Bewertung setzt das Wissen um die Inhalte voraus,.
Schnellstens benötigte, geschäftswichtige Daten sind hochverfügbar gespeichert , während weniger wichtige Informationen auf weniger schnelle Systeme und Medien verschoben werden. Dadurch steigt die Auslastung und die Kosten sinken, weil weniger teure Hardware benötigt wird. Die Chancen von ILM — also der engen Verzahnung der Geschäftsprozesse und der zugrundeliegenden Informationstechnologie —haben mittlerweile auch die Anwender erkannt. Im Rahmen einer aktuellen Erhebung des Marktforschungsunternehmens Lünendonk nannten die Befragten als Ziele der ILM-Einführung primär die Kostenreduktion, an zweiter Stelle die bessere Erfüllung gesetzlicher Auflagen und regulatorischer Anforderungen und gleichauf die bessere Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse.
Branchenspezifische ILM-Konzepte werden zum Teil bereits umgesetzt. Die Analyse der Werthaltigkeit der Daten wird zunehmend stärker automatisiert. Auf diese Weise bietet ILM den Telekommunikationsprovidern die Chance, ihre Datenmassen so effizient und ökonomisch wie nach heutigem Stand der Technik denkbar zu speichern und gleichzeitig die gestiegenen gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
