Fachartikel
Telekommunikationsmarkt im Umbruch: Konvergenz, Innovation und besserer Service
Vom einfachen Telefonieren zum "Quadruple Play"

Wie schon 2006 steht auch das Jahr 2007 in der Telekommunikation im Zeichen von Konvergenz, Innovation und weiterer Marktsättigung. "Für 2007 erwarten wir erstmals in der Geschichte der Telekommunikation ein Nullwachstum", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Hauptgrund für diese Entwicklung sei der Umsatzschwund bei der klassischen Telefonie. Die Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton rechnet mit einem weiter zunehmenden Marktdruck, weil die Kunden immer anspruchsvoller werden. Die Telekommunikationsunternehmen müssen einerseits Kosten senken, andererseits verstärkt in neue Produkte und Kundenservices investieren. "Im Mobilfunk droht zwar nicht mehr die Gefahr eines Preiskriegs, die Auswirkungen der Marktsättigung auf die Profitabilität der Anbieter sind jedoch beträchtlich", so Dr. Roman Friedrich, Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton. "Telekommunikationsunternehmen sind gefordert, in innovative Dienste zu investieren, um in den nächsten Jahren Umsatzrückgänge abzufedern und die Margen zu stabilisieren."

Trends in 2007

In der Festnetzkommunikation scheint "Triple Play" hoch im Kurs zu stehen. Die Bündelangebote für Telefonie, Internet und Fernsehen werden über immer schnellere DSL-Varianten oder VDSL (Very High Data Subscriber Line) realisiert . Schon heute interessiert sich laut einer Booz-Allen-Umfrage jeder Dritte für entsprechende Produkte. 2007 soll darüber hinaus das Jahr der Medien- und Inhaltekonvergenz werden. 58 Prozent der Kunden mit Konvergenzprodukten nutzen bereits das Triple Play aus Mobilfunk/Festnetz/Breitband, wohingegen 38 Prozent ein Triple-Play-Bündel aus Festnetz/Breitband/Medienzugang bevorzugen. Ein weiterer Trend ist "Fixed-Mobile Convergence" (FMC), also die Verschmelzung von DSL-Breitband und Festnetztelefonie mit Mobilfunkdiensten. Auch "Quadruple Play", die Kombination von Festnetz-Telefonie, Internet, Fernsehen und mobilen Diensten, scheint ein viel versprechendes Angebot. Gleichzeitig steht mit WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access) eine neue drahtlose Technologie vor der Tür, die den deutschen Telekommunikationsmarkt ab 2007 zumindest auf regionaler Basis prägen dürfte.

Outsourcing und Services

Der hohe Wettbewerbsdruck erfordert von den TK-Anbietern rigides Kostenmanagement. Hier spielt vor allem das Outsourc-ing großer Kostenblöcke, wie beispielsweise Netzbetrieb oder Call Center, eine zunehmend wichtige Rolle. "Diese beiden Bereiche sind extrem kostenintensiv, sie können bei guter Planung ausgelagert werden. Wir sehen hier Einsparpotenziale in einer Größenordnung von bis zu 20 Prozent", erläutert Roman Friedrich. "Allerdings ist Outsourcing nicht für jeden Anbieter die beste Lösung, da damit auch Differenzierungsmöglichkeiten aus der Hand gegeben werden."

Guter Kundenservice wiederum trägt laut Booz Allen zu 30 bis 35 Prozent zur Kundenzufriedenheit bei. Immerhin sind negative Erfahrungen mit dem Service für jede zehnte Kündigung verantwortlich. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die TK-Unternehmen verstärkt in die Ausbildung ihrer Service-Mitarbeiter und in Ladenpräsenz investieren.

Die IT als "Enabler"

Im Spannungsfeld zwischen verkürzten Innovationszyklen und einer fest gestellten Kostenschraube gilt die Informationstechnologie teils als Kostenfaktor, teils als "Enabler" für mehr Agilität und für neue Telekommunikationsprodukte. Zentrale IT-Themen aus Sicht der TK-Player sind: ICT-Konvergenz, IT-Anwendungen, Mobility-Lösungen, Storage und Information Lifecycle Management, IT-Dienstleistungen sowie Telekommunikations-Netzwerke (Quelle: Experton Group 2007).

Mobilfunk- und Festnetzbetreiber mi-grieren derzeit auf IP-Technologie. Zu den Vorteilen zählt die einfachere Verwaltung von Sprach- und verschiedensten Datendiensten in ein und demselben Netzwerk. Im Zuge der IP-Migration entwickeln sich die Architekturen vom klassischen Modell (Anwendungs-"Silos") hin zu einem Service-orientierten Modell. Der Protokollwechsel hat aus Sicht der Netzbetreiber aber auch seine Schattenseiten. Mit Blick auf die internen Strukturen gilt es nun, Geschäftsleitung und Technologieabteilung "auf eine Linie" zu bringen. Außerdem ist nun Know-how in neuen Technologien erforderlich.

Zentrale IT-Systeme bei den Telekommunikationsunternehmen sind Operations- Support-Systeme (OSS) und Business-Support-Systeme (BSS). Während der Fokus der OSS auf dem Management auf Netzwerkebene liegt, unterstützen BSS die Geschäftsprozesse, zum Beispiel Vertrieb und Service, Fraud Management und Billing. Langfristig ist mit einer zumindest partiellen Konvergenz von OSS und BSS zu rechnen. Die Telcos haben in aller Regel diese Systeme mit Eigenentwicklungen und proprietären Add-ons ausgebaut. Insgesamt ist so und durch die hohe Anzahl von Fusionen und Akquisitionen eine komplexe und heterogene Anwendungslandschaft gewachsen. Die Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, den Wildwuchs zu bereinigen und langfristig auf neue Architekturen, die verstärkt SOA-basiert sein werden, zu migrieren.

CRM-Lösungen bei den Telekommunikationsanbietern müssen heute eine 360-Grad-Sicht auf Kunden ermöglichen. Customer Data Integration (CDI) ist das Stichwort. Dabei geht es um die Bündelung sämtlicher in verschiedenen Systemen vorhandenen Informationen über Kunden und deren Auswertung über eine analytische CRM-Lösung oder über die Integration mit leistungsfähigen BI-Produkten. Solche Lösungen ermöglichen es unter anderem, wichtige Kennzahlen zu ermitteln und zu steuern. Neben den analytischen CRM-Komponenten kommt auch kollaborativen Funktionalitäten eine große Rolle zu. Kundenbindung heißt nicht nur, den Kunden zu kennen, sondern ihm einen optimalen Service zu bieten. Dies erfolgt etwa über Call Center, personalisierte, Internet-, Sprach- oder mobile Portale sowie Web-Shops. Die Telcos haben in aller Regel bereits entsprechende CRM-Lösungen im Einsatz. Heute geht es primär um die Optimierung dieser Systeme. Hinzu kommt die anstehende Forderung des Gesetzgebers hinsichtlich der Speicherung von Gesprächs- und Nachrichten-Daten, die entsprechende Anforderungen nicht nur an Speichersysteme, sondern auch an Reporting-Werkzeuge nach sich zieht.

Datenmanagement und -sicherung

Die Telekommunikationsbranche muss hohe Verfügbarkeits- und Performance-Anforderungen beim Datenmanagement in Netzen erfüllen. Die Verteilung von Inhalten (Content Delivery) ist ein besonders anspruchsvolles Thema. Dies erfordert High-End-Lösungen wie Storage- und Content-Infrastrukturen für die Verteilung mobiler Inhalte, für Datendienste mit hohen Speichervolumina sowie Lösungen für das Management des Lebenszyklus von digitalen Informationen – von der Erstellung bis zur Archivierung und Löschung. Auf Storage-Infrastruktur-Ebene sind vor allem Lösungen gefragt, die Backup und Recovery, Archivierung und Compliance unterstützen und dabei die Kosten senken.

Ein weiteres Thema für TK-Anbieter sind Managed Storage Services: Outsourcing erfreut sich wachsender Nachfrage im Telco-Umfeld. IT-Dienstleister und IT-Sparten der TK-Unternehmen sind hier ebenso vertreten wie IT-Anbieter und TK-Ausrüster (mit Managed Services). Die Umsetzung der Richtlinie für die Speicherung von Verbindungsdaten aus Telefon und Internet (EU-Direktive 2006/24/EC), die bis zum 15.9.2007 erfolgen soll, erfordert, dass die Anbieter und ISPs bestimmte Daten für sechs Monate vorhalten sollen. Dazu zählen Telefonnummer, Name und Adresse des Teilnehmers, Zeitpunkt (Anfang/Ende) der Gespräche und Internetverbindungen sowie International Mobile Subscriber Identity (IMSI) oder International Mobile Equipment Identity (IMEI). Die Branche wird also demnächst große Datenmengen revisionssicher archivieren müssen, die auf Anfrage der Behörden kurzfristig abrufbar sein müssen. Die Richtlinie dürfte ab 2007/08 zu einem erhöhten Investitionsbedarf bei den Telekommunikations-dienstleistern führen. Das Zusammenwachsen von Unternehmen der IT- und TK-Branche resultiert in einer Vielzahl von Migrations- und Konsolidierungsprojekten. Basis hierfür ist eine entsprechend leistungsfähige IT-Infrastruktur, um die Verteilung, Verwaltung und Sicherung unternehmenskritischer Daten sicherzustellen.

Notes: