Fachartikel
Netz und doppelter Boden für das Informationskapital
Weich fallen!

Kein internationales Unternehmen kann sich heute Systemstillstände, geschweige denn Datenverluste leisten. Die Verwaltung von Informationskapital spielt eine immer wichtigere Rolle, denn trotz Datenwachstums und sinkender IT-Budgets müssen Daten im Rahmen festgelegter Service Level Agreements verfügbar sein. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, braucht es eine automatisierte, netzwerkübergreifende Verwaltung der Storage-Ressourcen. Wer Storage Resource Management automatisiert, spannt ein regelrechtes Sicherheitsnetz für den reibungsfreien Produktivbetrieb.

Ursachen für Netzwerkprobleme werden automatisch identifiziert und deren Auswirkungen erkennbar, bevor die Infrastruktur Schaden nimmt und wichtige Geschäftsprozesse beeinträchtigt oder lahm gelegt werden. Trotz dieser sinnvollen Management-Unterstützung ist natürlich kein Unternehmen vollständig vor Hardware-Ausfällen oder Software-Fehlern gefeit. Hier hilft nur ein doppelter Boden für die Sicherung wichtiger Daten, neudeutsch Continuous Data Protection (CDP). Diese Technologie speichert automatisch und kontinuierlich Informationen, sodass Rücksicherungen zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Vergangenheit möglich sind. Beide Managementstrategien erleichtern die Verwaltung komplexer Umgebungen, die Fehler- und Wirkungsanalyse sowie eine flexible und schnelle Wiederherstellung wichtiger Datenbestände. Und das Gute: Auf Basis intelligenter Speichernetze werden diese Verwaltungsaufgaben so automatisiert, dass IT-Verantwortliche deutlich ruhiger schlafen können. Die Zeiten leicht zu überwachender, direkt an den Server angeschlossener Speichergeräte sind glücklicherweise vorbei. Heute gängige verteilte Speicher-Ressourcen sind über SAN-, NAS- oder IP-Netze miteinander verbunden und stellen Administratoren je nach Komplexität und Umfang des Verbundes vor große Herausforderungen. Versagt auch nur eine Komponente des Netzwerks ihren Dienst, erhalten Verwalter komplexer Infrastrukturen oft eine Flut von Warnhinweisen oder doppelten Ausfallmeldungen, die alle vom gleichen Problem ausgelöst werden. Vergleichbar sind diese Meldungen mit den vielfältigen Symptomen eines Infektes beim Menschen, der von einem einzigen Erreger verursacht wird. Wer sich manuell an die Ursachenforschung macht, vergeudet oft wertvolle Zeit und riskiert, dass sich der Fehler negativ auf weitere Netzwerkbereiche und schlussendlich auch auf das Geschäft des Unternehmens auswirkt. Oft ist es schier unmöglich, die Auswirkungen von Ereignissen zwischen Speichernetzen, IP-Netzen und Applikations-Domains überhaupt miteinander in Beziehung zu setzen.

Blick über den Rand des Speichernetzes

Komplexe Umgebungen sollten deshalb permanent automatisch analysiert werden. Wer seine Storage-Ressourcen intelligent verwalten möchte, braucht dazu Hilfe in Form von Management-Software. Diese informiert, welche Systeme zur Infrastruktur gehören, wie die Anwendungen ausgelastet sind und welche Geräte wie viel Kapazität benötigen. Idealerweise erkennt das Managementsystem Ursachen und Auswirkungen von Netzwerkproblemen in Echtzeit. Bislang waren Storage-Ressource-Manager in die Software-Suiten der großen Hardware-Anbieter integriert und nicht unbedingt offen für Produkte anderer Hersteller. Doch das ändert sich nun. Heute ist die ganzheitliche Analyse von Speicher- und IP-Netzen kein Hexenwerk mehr. Managementsysteme, die Netzwerke technologieübergreifend überwachen und miteinander in Beziehung setzen können, sind im Kommen.

EMC ist mit Lösungen wie EMC Smarts Storage InSight for Availability bereit für ein End-to-End-Management der IT-Umgebung. Die Lösung filtert aus der Vielzahl gemeldeter Symptome eines Netzwerkproblems die zugrunde liegende Ursache. Störungen können entsprechend schneller beseitigt werden, und zwar bevor der produktive Betrieb beeinträchtigt ist. Zusätzlich identifiziert die Software mögliche Effekte des Problems für Komponenten wie Host Devices, File-Systeme oder virtuelle Platten. Richtig interessant und aufschlussreich wird die Wirkungsanalyse, wenn sie zeigt, dass der Defekt einer Host-Bus-Adapter-Karte oder eines Switch-Ports im SAN-Umfeld den Mail-Server der Marketing-Abteilung lahm zu legen vermag. Diese Informationen über mögliche Folgen eines diagnostizierten Problems sind äußerst wertvoll für die richtige Reihenfolge der Maßnahmen zur Fehlerbehebung.

Der verantwortliche Administrator behält den Überblick über die Gesamtstruktur, kann die entsprechenden Maßnahmen sofort einleiten und die Behebung der Störung an die entsprechenden Teams delegieren. Dieses Vorgehen steigert die Produktivität, da nicht mehrere Abteilungen gleichzeitig an der Lösung eines Problems arbeiten müssen. Das Sicherheitsnetz für die Unternehmens-IT ist mithilfe einer geeigneten Resource-Management-Software sehr dicht gespannt. Eine solche Lösung trägt entscheidend dazu bei, dass Unternehmen ihre geschäftskritischen Netzwerke, Applikationen und Services stets verfügbar halten können — nicht zuletzt zum Nutzen der Kunden.

Allzeit Recovery-bereitDoch was, wenn einmal diagnostizierte Ausfälle zwar erkannt, aber nicht in wenigen Stunden zu reparieren sind? Systemstillstände kosten viel Geld, deshalb braucht es einen IT-technischen doppelten Boden wie die kontinuierliche Datensicherung und Rücksicherung für die Verfügbarkeit wichtiger Informationen. Backup- und Recovery-Prozesse werden von vielen Unternehmen im Hinblick auf Dauer und Kosten sehr kritisch betrachtet. Analysten zufolge verbringen IT-Abteilungen drei Viertel ihrer Zeit mit der Sicherung und Wiederherstellung von Daten. Dies bekräftigt Anders Lofgren von Forrester Research: "75 Prozent des Storage-Managements sind Backup und Recovery, wobei 30 Prozent aller Recovery-Operationen fehlschlagen, weil das entsprechende Backup vermasselt wurde." Die Storage-Branche reagiert mit neuen Technologien und Strategien auf diese Herausforderungen und unterstützt Unternehmen dabei, ihre Daten verlässlich zu sichern und innerhalb kürzester Zeit wiederherzustellen. Software für sogenannte kontinuierliche Backups oder Continuous Data Protection ist seit Herbst 2005 ein Trendsetter.

Die SNIA (Storage Network Industry Association) definiert CDP folgendermaßen: Diese Lösung sichert sämtliche Unternehmensdaten, sobald irgendwo eine Datei verändert wird. Sie erstellt ein elektronisches Journal sämtlicher Snap-Shots. Der große Vorteil dieser Technologie ist die minutiöse Dokumentation jeder Transaktion. Viren, Trojaner, zerstörte oder korrumpierte Daten und andere Schreckgespenster der IT-Abteilungen verlieren automatisch ihre Bedrohlichkeit. Die betroffene Datei kann dank CDP zu jedem beliebigen Zeitpunkt vor der Zerstörung als saubere Kopie zurückgesichert werden. Innerhalb eines plattenbasierten CDP-Systems ist Recovery eine Sache von wenigen Sekunden. Um Daten von Bändern oder aus Archiven zurückzuholen, wird wesentlich mehr Zeit benötigt.

Datenverlust gleich null

Wie bei allen neuen Trends und Entwicklungen gilt es auch beim Begriff CDP zu differenzieren. In der Vergangenheit wurde ein ganzer Blumenstrauß von Recovery-Lösungen in den CDP-Topf geworfen. Dort finden sich neben Produkten für "echte" kontinuierliche Backups auch Replikations- und Snapshot-Systeme, die Daten nur zu definierten Zeitpunkten sichern und die sich viel eher für generelle Backup- und Recovery-Themen in mittelständischen und kleinen Unternehmen eignen. Continuous Data Protection hingegen richtet sich ganz klar an große Unternehmen, die kritische Daten mit Höchstverfügbarkeit, also null Datenverlust, vorhalten müssen.

Im vergangenen Herbst hat EMC mit RecoverPoint eine Lösung für veritables Continuous Data Protection präsentiert. Zusätzliche Flexibilität entsteht dadurch, dass mehrere Recovery-Prozesse gleichzeitig durchgeführt werden können. "Mit EMC RecoverPoint können Kunden die Frequenz ihrer Datensicherungsprozesse deutlich erhöhen", sagt Brian Babineau, Analyst der Enterprise Strategy Group. "Daraus folgt ein schnelleres Recovery, womit die Gefahr von Verlusten reduziert wird. RecoverPoint ergänzt das ausgereifte und umfassende Angebot an Datensicherungslösungen des Unternehmens." RecoverPoint wurde für Rechenzentren von Großunternehmen entwickelt. Im Gegensatz zu anderen Continuous-Data-Protection-Lösungen sichert RecoverPoint die Informationen geschäftskritischer Applikationen über zahlreiche Betriebssysteme hinweg. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Daten von miteinander verbundenen Anwendungen koordiniert wiederherzustellen. So können Unternehmen sehr einfach und schnell alle betroffenen Applikationen in einen bestimmten Zustand in der Vergangenheit zurückversetzen und von dort aus normal weiterarbeiten." Wer seine Datensicherung weiter optimieren möchte, kann die CDP- oder Backup- und Recovery-Lösung direkt mit einer Archivierungslösung verbinden. Daten, die länger nicht mehr verändert wurden, können beispielsweise auf ein Online-Archivsystem wie EMC Centera gespeichert werden. Teurer Speicherplatz auf den Aktivsystemen wird so frei, die Speicherkosten sinken und Backup- und Recovery-Prozesse werden aufgrund der kleineren Datenmengen beschleunigt (mehr dazu im Lesertipp).

Markt mit Potenzial

Für Analyst Babineau steckt die CDP-Technologie noch in den Kinderschuhen. Installationen in großen Unternehmen sind derzeit relativ dünn gesät, weil die Anbieter in der Vergangenheit meist unbekannte Startup-Firmen waren. Seit im vergangenen Jahr Big Player wie EMC mit CDP-Angeboten sowie Symantec und Microsoft mit Snapshot- und Replikations-Tools auf den Markt gekommen sind, erhält die Technologie Auftrieb. Nach Meinung der Marktforscher müssen die Anbieter insbesondere bei der Anwendungsintegration noch ihre Hausaufgaben machen. Erfolg werden demnach insbesondere die Unternehmen haben, die CDP als integrierte Komponente ihres Recovery-Portfolios verkaufen.

Auf eine weitestgehende Automatisierung der IT-Verwaltung werden die großen Player künftig nicht verzichten können. Im Gegensatz zu uns Menschen erkennt moderne Management-Intelligenz die Komplexität und Zusammenhänge einer Infrastruktur mit Speicher- und Datennetzen in Echtzeit. Continuous Data Protection sorgt nicht nur für höhere Datenverfügbarkeit, sondern unterstützt IT-Verwalter maßgeblich bei der Erstellung "leidiger" Backups in Highend-Umgebungen. Durch Automatisierung passiert also zweierlei: Die Sicherheit der Daten nimmt zu und die gewonnene Zeit kann für strategisch wichtigere IT-Aufgaben eingesetzt werden.

LesertippBackup-Daten sind kein Fall für teure Primärspeicher. Aber auch die Datensicherung auf Bandarchive erfüllt nicht in jedem Fall die Anforderungen nach einem schnellen Zugriff auf wichtige Dateien. Einen goldenen Mittelweg bietet das Online-Archiv EMC Centera von EMC, das Informationen langfristig speichert, einen schnellen Zugriff erlaubt und die gesetzlichen Aufbewahrungsvorschriften zuverlässig einhält. Die secunet Security Networks AG aus Berlin gibt Sicherheitsbeauftragten, Datenschutzexperten und Systemadministratoren mit dem "Leitfaden EMC Centera IT-Sicherheit" eine umfangreiche Hilfestellung bei der Entwicklung von individuellen Sicherheitskonzepten. Auf 47 Seiten erfährt der Leser nützliche Details zur Funktionsweise des Speichersystems, insbesondere zu den umfangreichen Sicherheitsfunktionen vom Zugriffschutz über die Replikation auf ein Zweitsystem bis zum sicheren Löschen von Datensätzen. Darüber hinaus stellt der Leitfaden einen ganzen Katalog ergänzender Sicherheitsmaßnahmen vor und gliedert im Anhang die rechtlichen Rahmenbedingungen für die elektronische Archivierung sehr umfassend. Zu beziehen ist das nützliche Dokument kostenlos als PDF bei EMC (Fischer_Mario@emc.com) oder bei secunet (Martin.Woitke@secunet.com).

Notes: