Fachartikel
Infrastruktur der Zukunft
Die Information im Zentrum

Informationen stellen im modernen Wirtschaftsleben das wertvollste Kapital von Unternehmen dar: Wertschöpfende Arbeit wird zunehmend durch Nutzung von Informationen bestimmt, der Anteil der materiellen Produktion wird geringer. Unternehmen unterschätzen den Wert des Informationskapitals und nutzen folglich das vorhandene Potenzial nur in Teilen. Damit verschwenden sie wertvolle Ressourcen - genau wie Unternehmen, die ihre Produktionsstätten oder Mitarbeiter nicht effizient einsetzen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihren Informationsbestand genau kennen und dafür sorgen müssen, dass die Daten effizient in die Geschäftsprozesse integriert werden können. Dies bedeutet eine substanzielle Verschiebung der Art und Weise, wie IT-Architekturen im Rechenzentrum geplant und aufgebaut werden: Nicht mehr die Anwendungen stehen im Zentrum, sondern die Prozesse und die Daten, die damit verknüpft sind. Vor diesem Hintergrund bekommen heiß diskutierte Trendthemen wie Virtualisierung, IT-Security oder Energieeffizienz eine ganz neue Bedeutung. Aber auch altbekannte Dauerbrenner wie Konsolidierung, Enterprise Content Management (ECM) oder Datenspeicherung dürfen im Rechenzentrum der Zukunft nicht fehlen.

Informationsdrehscheiben entstehen

Digitale Daten sind heute wesentlicher Bestandteil aller Geschäfts- und Entscheidungsprozesse im Unternehmen. Dafür ist eine zentrale Drehscheibe, die alle vorhandenen Informationen integriert, notwendig: Enterprise Content Management. In der Vergangenheit ist hier laut Experton Group in den Unternehmen schon einige Vorarbeit geleistet worden: Systeme für Dokumentenmanagement und Archivierung sind vorhanden. Jetzt gilt es, diese Lösungen zu koordinieren und in die bestehende Infrastruktur und die vorhandenen Prozesse zu integrieren.

Ging es bisher in Enterprise-Content-Management-Projekten vor allem um die Verwaltung von Inhalten mit Hilfe eines ContentManagementRepository, heißt der nächste Evolutionsschritt Transactional Content Management (TCM). So können bisher manuelle Prozesse von Anfang bis Ende effizienter abgewickelt werden. Hierbei werden unstrukturierte Inhalte wie Dokumente innerhalb von Geschäftsabläufen wie der Kredit-, Schadens- und Antragsbearbeitung oder der Kontoeröffnung erfasst und verwaltet. Ziel ist es, betriebliche Abläufe zu beschleunigen, gesetzliche Vorschriften einzuhalten, Inhalte schneller zu finden und die Zusammenarbeit zu verbessern.

Sind Sie sicher?

Genauso wie die Digitalisierung die Zusammenarbeit in verteilten Teams und über verschiedene Standorte hinweg fördert, steigt auch das Risiko, dass Informationen missbraucht werden. Geschäftsführer und IT-Verantwortliche müssen verstehen, dass Information Risk Management keine technologische, sondern eine strategische Frage ist, um wichtige Daten zu schützen. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Informationen und die damit verbundenen Prozesse ins Zentrum der Sicherheitsinfrastruktur gestellt werden. So wird sicheres Arbeiten über Standorte und Unternehmensgrenzen hinweg erst möglich. Darüber hinaus lassen sich Compliance-Regeln einfacher umsetzen und überwachen.

Artgerechte Datenhaltung

Auch auf der Storage-Seite erfordert der informationszentrische Ansatz eine neue Herangehensweise. Um die Informationen effizient in alle Prozesse einbinden zu können, müssen die Daten unternehmensweit verfügbar gemacht und Datensilos aufgelöst werden. Dementsprechend sind Speichernetzwerke mit verschiedenen Storage-Ebenen und
-Klassen mittlerweile in vielen Unternehmen verbreitet und werden zunehmend auch von kleinen und mittleren Unternehmen genutzt. Das Stichwort lautet: Information Lifecycle Management.

Eine besondere Rolle spielt aktuell dabei die Tatsache, dass neben SAN oder NAS eine weitere Technologie die Vernetzungsmöglichkeiten erweitert hat: IP-Storage heißt der Neuling, der für Unternehmen aller Größen zunehmend attraktiv wird. IP-Storage-Systeme unterstützen häufig mehrere Protokolle und sind damit in jeder Umgebung einsetzbar. Für den Anwender bedeutet das ein deutliches Plus an Flexibilität.

Virtuelle Systeme bieten ganz reale Vorteile

Flexibilität ist auch eines der Stichworte, die häufig als Argument für Virtualisierung angeführt werden. Viele Analysten und Anbieter überbieten sich mit euphorischen Prognosen: Eine bessere Auslastung vorhandener Ressourcen, ein Plus an Flexibilität gemixt mit Automatisierungstechnologien versprechen eine dramatische Effizienzsteigerung. Aktuelle Rechenzentrumsthemen wie SOA, Energieeffizienz, optimierte Ressourcenauslastung und Konsolidierung sind ohne diese Trennung der logischen von der physikalischen Welt nicht vorstellbar.

Meist wird Virtualisierung noch jeweils isoliert für Server, Storage, Netzwerk oder Desktop betrachtet. Alle Varianten haben klare Vorteile, aber auch ihre Grenzen. Doch das volle Potenzial der Technologie zeigt sich erst im Zusammenspiel aller Komponenten. Denn dann entsteht eine flexible Informationsinfrastruktur, die sich den Bedürfnissen und Anforderungen der Prozesse anpassen lässt.

Licht im Applikations-Dickicht

Ein wesentlicher Bestandteil einer solchen Infrastruktur sind natürlich auch die Anwendungen. Hier wird schon seit längerem viel von einer Service-orientierten Architektur gesprochen. Auch wenn durch die vielschichtige Diskussion um SOA und durch die verwirrende Verwendung des Begriffs der Eindruck entstehen mag, dass hier mal wieder ein Hype gefeiert wird: De facto bieten Service-orientierte Architekturen tatsächlich Potenziale, mit denen die Unternehmen ihre immer komplexer werdenden Infrastrukturen in den Griff bekommen und ihr wertvollstes Kapital – die Informationen – effizient nutzen können. Denn entgegen der Art und Weise, wie viele Hersteller den Begriff SOA als Produkt, Technologie oder auch Norm beanspruchen, handelt es sich dabei um eine mehr oder minder wahlfreie Methode, mit der sich umfangreiche Unternehmensanwendungen sehr flexibel konzipieren lassen. Und dies, ohne sich dabei in den Details mannigfaltiger Programmierschnittstellen zu verlieren. Hype hin oder her: Immer mehr Unternehmen und Abteilungen planen oder realisieren bereits SOA-Strategien. In einer Forrester-Untersuchung gaben 59 Prozent der befragten Unternehmen an, bereits SOA in Teilbereichen im Einsatz zu haben und weitere 17 Prozent verfügen zumindest über eine SOA-Strategie auf Unternehmensebene – zumindest theoretisch. Denn solche Projekte sind anspruchsvoll und bergen in sich Gefahren im Detail.

Noch einen Schritt weiter gehen Ansätze, die die Applikation als Service an einen Drittanbieter auslagern. Früher hieß dies Application Service Providing (ASP), nun lautet das Modewort „Software as a Service“ (SaaS). SaaS-Anbieter betreiben die Anwendung für viele Kunden gleichzeitig und damit wesentlich preiswerter als ein ASP-Dienstleister dies kann. Flexibel ist das Angebot überdies: Der Provider kann nach Kundenbedarf jederzeit neue Anwendungsfunktionen integrieren. Der Kunde profitiert durch geringere TCO, niedrigeren Aufwand für Management und Pflege der Applikationen und kann zudem hohe Investitionen für Hardware umgehen.

Grüne Kostenbremse

Zum Schluss noch ein Thema, dass nicht erst seit der CeBIT 2008 rauf und runter diskutiert wird: „Grüne IT“. Auf den ersten Blick mag der Zusammenhang zwischen dem Umgang mit digitalen Daten und „grüner IT“ erstaunen. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch der Bezug vor allem im Bereich des effizienten Stromverbrauchs und vor allem beim verschwenderischen Umgang mit IT-Ressourcen. Den Anwender interessiert meist nicht, ob ein Dokument mehrfach gespeichert wird, ob nicht mehr benötigte Daten kostbaren Speicherplatz auffressen oder ob Server-Kapazitäten in sinnlosen Leerlaufprozessen verheizt werden. Eine Studie von IDC hat ergeben, dass die Menschheit die Produktion von digitalen Daten bis 2011 verzehnfachen wird – nicht zuletzt durch die rasante Verbreitung mobiler IT-Geräte wie PDAs, Handys und Notebooks. Es drohen Staus auf der Datenautobahn und in letzter Konsequenz ein Informationsinfarkt. Wir müssen verstehen lernen, dass die „IT-Verschmutzung“ kein hinzunehmendes Unheil ist. Vielmehr müssen Unternehmen jede Information genau unter die Lupe nehmen und entscheiden, ob, wie lange und in welcher Form sie aufbewahrt werden muss. Auch hier ist das Stichwort wieder Information Lifecycle Management, wobei es diesmal für ein probates Mittel steht, um den maßlosen Umgang mit IT-Ressourcen zu begegnen: durch intelligente Datenablage, Archivierung und Löschung. Dies hat einen erheblichen Einfluss auf die Dimensionierung von IT-Infrastrukturen. Die Nutzung verschiedener Speicherebenen wirkt sich günstig auf den Stromverbrauch aus. Dabei rechnet sich häufig die Nutzung neuester Technologien vor allem von der Betriebskostenseite. Bei aller „grüner“ Anschauung dürfen wir nicht vergessen, dass bei der Entscheidung für Speichereinheiten der geschäftliche Nutzen im Fokus ist. Eine Bank will nach wie vor ihren Kunden Kontoinformationen schnellstmöglich zur Verfügung stellen. Im Rechenzentrum der Zukunft müssen Effizienz aus ökologischer und ökonomischer Sicht im Einklang stehen.

Notes: