Fachartikel
SOA trifft ECM
Content Management als Web-Service

Serviceorientierte Architekturen (SOA) gelten als Königsweg zur flexiblen Kopplung heterogener Systeme. Vielversprechend ist das SOA-Architekturkonzept insbesondere als Basis für Enterprise Content Management (ECM). Denn kaum ein anderer Anwendungsbereich hat es mit derart vielen und unterschiedlichen Applikationen im Unternehmen zu tun.

Die Erweiterung des traditionellen Content-Management-Begriffs zu Enterprise Content Management (ECM) signalisiert einen universellen, strategischen Anspruch: ECM strebt eine unternehmensweit konsistente Infrastruktur an, die herkömmliche Formen von Dokumenten-, Content- und Wissensmanagement zwar einschließt, aber mehr ist als nur die Summe dieser Teile. ECM verfolgt das Ziel, relevante Inhalte aus jeder nur denkbaren Informationsquelle im Unternehmen zu akquirieren und die gewonnenen Rohdaten kontextgerecht als direkt nutzbares Wissen bereitzustellen. Zum einen verbessert ECM die Fähigkeit eines Unternehmens, schnell und fundiert zu entscheiden. Zum anderen lassen sich mit ECM robuste Prozesse etablieren, um Compliance-Anforderungen zuverlässig und kosteneffizient zu erfüllen.

ECM und Anwendungsintegration

Prinzipiell sind also sämtliche IT-Systeme eines Unternehmens in die ECM-Strategie involviert, SAP-Anwendungen ebenso wie Datenarchive, Mail-Server, Office-Programme oder Web-2.0-Portale. Hier liegt auch der wesentliche Grund, warum sich feste Schnittstellen für ECM von vornherein verbieten. Andernfalls müssten nämlich all diese Systeme für den Datenaustausch mit ECM umprogrammiert werden. Nicht nur die Implementierung wäre langwierig und unverhältnismäßig teuer, sondern auch jede spätere Anpassung an veränderte Geschäftsprozesse. Diese Problembeschreibung erinnert stark an das klassische Argument für den Aufbau einer serviceorientierten Architektur (SOA). Das wundert nicht, denn die Informationserhebung für ECM ist ein Paradebeispiel breit gefasster Anwendungsintegration, auf die das SOA-Konzept letztlich fokussiert.

Wenngleich Web-Services allein noch keine SOA ergeben, sind sie dennoch ein zentrales Element im Integrationsparadigma von SOA. Mosaikartig zusammengesetzte Dienste sind sozusagen der Kitt, der heterogene Systeme zu einer gemeinsamen Service-Plattform zusammenfügt. Eines der wichtigsten Anliegen von SOA ist es, monolithische Programmarchitekturen aus der Vergangenheit aufzubrechen und durch eine Sammlung verteilter Software-Bausteine zu ersetzen – eben die Web-Services. Jeder dieser Bausteine erfüllt eine klar umrissene Funktion, wobei Input- und Output-Formate streng standardisiert sind. Gemäß SOA muss ein Web-Service selbsterklärend und in sich abgeschlossen sein. Nur so ist er autark und eigenständig nutzbar. Wer einen Web-Service in eine Anwendung einbauen will, braucht nur dessen Schnittstelle zu kennen, nicht aber die Details der konkreten Implementierung. Untereinander kommunizieren Web-Services via SOAP (Simple Object Access Protocol) und XML (Extensible Markup Language), während zum Transport der XML-Nachrichten vor allem Standard-Internetprotokolle wie HTTP in Frage kommen. Diese Protokolle sorgen unter anderem für Betriebssystemsystemabhängigkeit, sodass sich „verteilte Funktionalität“ bei SOA nicht allein auf die geografisch-räumliche Dimension bezieht, sondern auch auf unterschiedliche technologische Plattformen. Lokalisiert und in die Anwendung eingebunden werden Web-Services dann über eine Registry oder ein Repository, und zwar dynamisch, das heißt erst unmittelbar zum Zeitpunkt der Ausführung.

Service-Gliederung und einfache Handhabung

Die Vorteile einer flexiblen Service-Architektur aus wiederverwendbaren Software-Bausteinen zeigen sich im ECM-Umfeld besonders deutlich. Allerdings nur, wenn die Content-Web-Services nicht einfach eine alte Programmstruktur zerlegen und deren Bruchstücke dann mit einem neuen SOAP/XML-Mantel umhüllen. Stattdessen kommt es darauf an, die ECM-Dienste von Grund auf SOA-konform zu entwickeln, wie dies zum Beispiel bei den Documentum Content Services von EMC der Fall ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein veralteter Software-Aufbau die neue Service-Architektur bestimmt. Das, was mit SOA überwunden werden soll, käme maskiert mit XML und SOAP „durch die Hintertür“ zurück ins Haus – und wenig wäre gewonnen. Beispielsweise sollten Objekt- und Versions-Services als separate Content-Dienste konzipiert sein, da nicht jede Anwendung, die Dokumente anlegt, verändert oder löscht, auch unterschiedliche Versionen unterstützt. Nur eine optimale Gliederung aller erforderlichen ECM-Funktionalitäten gewährleistet eine schnelle Entwicklung neuer Content-Applikationen und deren kostengünstige Integration in die existierende Anwendungsumgebung.

Im Hinblick auf die einfache Nutzung sollte die Syntax von Content-Diensten so nah wie möglich an der Denkweise von Nicht-IT-Experten ausgerichtet sein. Beispielsweise sind „Find User“ oder „Create Object“ unmittelbar verständliche Kommandos, die den Zugriff auf Informationen per ECM erheblich erleichtern. Um dies zu erreichen, müssen hunderte Programmbefehle auf wenige selbsterklärende Anweisungen herunter gebrochen werden. Diese lassen sich grob gefasst in sechs Service-Kategorien unterteilen: Objektmanipulationen, Versionssteuerung (zur Verwaltung unterschiedlicher Zustände desselben Objekts), Abfrageschemata, die Abfragen selbst, Suchmechanismen (zum Beispiel Volltextsuche) sowie die Workflow-Steuerung, wobei idealerweise Vorlagen für typische Abläufe im Lieferumfang enthalten sind.

Fazit

Ein wohlstrukturierter „ECM-Service-Baukasten“ beschleunigt die Entwicklung von Content-Applikationen und verringert den Investitionsbedarf. Zugleich senkt SOA die Wartungskosten nachhaltig, während eine mnemotechnische, am menschlichen Denken orientierte Syntax ECM für einen breiteren Nutzerkreis öffnet. SOA-basierte ECM-Lösungen fördern brachliegende Informationen zutage und steigern somit den Unternehmenswert. Weil sich diese Effekte bereits kurzfristig einstellen, bestehen gute Aussichten, dass sich der Kapitaleinsatz schnell refinanziert.

Autor: Stefan Weiß-Weber, Presales Manager Content Managing & Archiving bei EMC Deutschland GmbH

Notes: