Fachartikel
Digitales Erbe
Kulturelle Schätze für die Nachwelt erhalten

In Zeiten unablässigen Datenwachstums vergessen wir oft, wie kostbar und fragil viele dieser Informationen sind – insbesondere, wenn sie unser kulturelles Erbe betreffen. Doch hin und wieder werden wir schmerzvoll daran erinnert, was uns unwiderruflich verloren geht, wenn diese Informationen nicht mehr existieren oder verfügbar sind. Im Februar 2007 musste die NASA eingestehen, dass die Tonaufzeichnungen der ersten Mondlandung nicht mehr nutzbar sind. Im September 2004 zerstörte ein verheerender Brand in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar große Teile ihres wertvollen Bestandes aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Weltweites Problem – weltweite Initiativen

Gehen Zeitdokumente verloren, geht auch ein Teil unserer Geschichte verloren. Katastrophen wie diese haben aber auch dafür gesorgt, dass Organisationen und Unternehmen weltweit sich zunehmend für die Digitalisierung unseres kulturellen Erbes einsetzen. Egal ob historische Dokumente, literarische Manuskripte, Fotografien, Ton-, Film- oder Audioaufzeichnungen: Alle Initiativen verfolgen dabei das doppelte Ziel, die Originale vor übermäßiger Abnutzung zu schützen und sie über das Internet einem weltweiten Nutzerkreis zur Verfügung zu stellen. Mittelfristig werden zudem digitale Sicherheitskopien angelegt, um im Falle einer Katastrophe möglichst originalgetreue Nachbildungen anfertigen zu können. Eine Herausforderung, die beispielsweise die Herzogin Anna Amalia Bibliothek nur noch in Teilen leisten kann.

Herzogin Anna Amalia Bibliothek digitalisiert Kulturerbe

Seit 1766 widmet sich die Bibliothek in Weimar der Aufgabe, Kulturgut zu sammeln und zu bewahren. Heute umfasst ihr weltberühmter historischer Bestand unersetzliche Schätze wie die Faust-Sammlung mit 14.000 Bänden sowie Landkarten und Atlanten aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Um die historischen Werke dauerhaft zu schützen, begann die Bibliothek mit der digitalen Sicherung.

Moderne Informationstechnologie für alte Schätze

Für die Sicherung ihres wertvollen Bestandes setzt die Weimarer Institution auf modernste Informationstechnologie. Dazu werden besonders wertvolle Teile der Sammlung mit hochwertigen Spezialkameras gescannt und auf leistungsfähigen Speichersystemen von EMC archiviert. Dann erfolgt der Aufbau einer Archivinfrastruktur, die eigens für die langfristige Aufbewahrung von unveränderlichen Daten entwickelt wurde. „Wir als Hersteller sind gefordert, die Digitalisierung von Kulturschätzen nicht nur mit Geld und warmen Worten, sondern vor allem auch mit den geeigneten Technologien zu unterstützen. Bei der Anna Amalia Bibliothek bringen wir unsere Technologie für die langfristige Bewahrung der Faustsammlung zum Einsatz“, erklärt Rainer Erlat, President EMEA bei EMC den Beitrag seines Unternehmens zum Schutz des Weimarer Literatur- und Kunstschatzes nicht ohne Stolz. „Besonders spannend finde ich, dass wir nicht nur etwas für die Nachwelt bewahren, sondern auch die Bibliothek darin unterstützen, die kulturhistorisch bedeutsamen Dokumente online allen Interessierten zugänglich zu machen - nicht nur Wissenschaftlern und Historikern.“

Kulturgüter werden für eine breite Öffentlichkeit zugänglich

Ein weiteres sehr ambitioniertes Projekt in diesem Zusammenhang hat übrigens die „John F. Kennedy Presidential Library and Museum“ in Boston ins Leben gerufen. Während der nächsten zehn Jahre wird die gesamte präsidiale Sammlung der Bibliothek digitalisiert, indiziert, archiviert und via Internet (www.jfklibrary.org) zur Verfügung gestellt. Die Öffentlichkeit hat damit erstmals Zugriff auf das digitale Archiv einer kompletten Amtsperiode eines US-Präsidenten. „Schulen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Musseen brauchen eine moderne, ganzheitliche Infrastruktur, um auch in Zukunft die stabile Basis einer Informations- und Wissensgesellschaft sein zu können“, unterstreicht Dr. Helmut Beck Vice President Storage bei Fujitsu Siemens die Bedeutung von Informationstechnologie. „So erarbeiten wir beispielsweise im Rahmen der D21 Initiative mit anderen Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft die passenden Rahmenbedingungen für das Informationszeitalter. Dabei müssen wir dafür sorgen, die steigenden Datenmengen in den Griff zu bekommen. Das ist das Gebot der Stunde und unser Auftrag.“

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