Warum wird das Thema Hochverfügbarkeit in der IT für Unternehmen immer wichtiger?
Stellen Sie sich einfach mal vor, ein Automobilhersteller müsste einen Tag lang ohne IT auskommen: Praktisch alle Kernprozesse – Lieferketten, Produktion und Handel - des Unternehmens würden ausfallen. Die IT hat sich in den letzten Jahren zum zentralen Drehkreuz zwischen den Prozessen und den Informationen im Unternehmen entwickelt. Wenn diese Funktion ausfällt, herrscht allgemeiner Stillstand und Unternehmensabläufe geraten mangels notwendiger Informationen ins Stocken. Hochverfügbarkeit ist daher ein Muss, zumindest für die Kernprozesse im Unternehmen. Denn wenn hier die Informationen nicht zu den Prozessen finden, dann kostet das unter Umständen Millionen – im Stundentakt.
Die Dimension, über die wir dabei reden, macht eine Studie deutlich, die EMC im März 2008 von IDC hat durchführen lassen. Darin wagt IDC Vorhersagen zur Entwicklung des digitalen Datenvolumens auf unserem Planeten. 2007 umfasste demnach das Digitale Universum 281 Exabyte (281 Milliarden Gigabyte). Die Marktforscher prognostizieren ein jährliches Wachstum von etwa 60 Prozent, sodass bis 2011 die Datenmenge auf 1.800 Exabyte (1,8 Zettabytes) ansteigen wird. Doch nicht die Information an sich ist von unschätzbarem Wert, sondern die richtige Information – zur richtigen Zeit, im richtigen Geschäftskontext. Genau an dieser Stelle kommt die Drehkreuzfunktion der IT zum Tragen, die ich eingangs angesprochen habe.
In welchen Branchen ist das Thema Hochverfügbarkeit von großer beziehungsweise untergeordneter Bedeutung für den Geschäftsbetrieb? Warum ist das so?
Sobald IT wertschöpfende Prozesse unterstützt, kann ein Ausfall der IT potenziell gefährlich für den Bestand des Unternehmens werden. Das ist im Grunde branchenunabhängig und betrifft das produzierende Gewerbe genauso wie Dienstleistungen oder Handel. Denken Sie beispielsweise an Online-Shops oder Online-Buchungssysteme: Kann ein Kunde seine Bestellung oder Buchung nicht tätigen, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit den nächsten Anbieter aufsuchen und sein Geschäft dort abwickeln. Oder wenn ein Maschinenbauer seine Produktion wegen IT-Problemen stoppen muss, gerät die gesamte Auftragsbearbeitung ins Stocken. Je länger der Ausfall dauert, desto höher ist der Geschäftsausfall.
Anders sieht es bei Prozessen aus, die nicht direkt an der Wertschöpfung beteiligt sind. Wenn beispielsweise die Buchhaltung eines Unternehmens zwei Stunden keine Rechnungen schreiben kann, hat das kaum kritische Konsequenzen für das Unternehmen. Daher plädiere ich dafür, das Thema Hochverfügbarkeit nicht nach Branchen, sondern nach Prozessen zu bewerten. Jedes Unternehmen hat kritische und weniger kritische Abläufe, für die man entsprechende Risikovorsorge treffen sollte.
Und wie erhalten, speichern und sichern Unternehmen ihre Daten effizient?
Informationen sind das wertvollste Kapital von Unternehmen. Daher sind wir überzeugt, dass eine IT-Infrastruktur sich an den Anforderungen der Informationen ausrichten sollte – nicht an den Applikationen. Der Weg, den die Informationen durch das Unternehmen zurücklegen, stellt für uns das entscheidende Kriterium für die Planung und den Aufbau einer IT-Infrastruktur dar: von der Entstehung und Erfassung über die Verwertung bis hin zur Archivierung und Löschung. Die optimale Strategie für den Aufbau einer Informationsinfrastruktur beinhaltet intelligentes Speichern der Daten, den Schutz gegen Datenverlust und -missbrauch, die Optimierung der Infrastruktur, des IT-Managements und der Services sowie die Nutzung des Wertschöpfungspotenzials von Informationen.
Neben dem obersten Ziel der Kostenreduzierung wollen die Unternehmen auch gesetzliche Anforderungen besser erfüllen sowie ihre Geschäftsprozesse effizienter machen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, empfehlen wir unseren Kunden die schrittweise Einführung einer Information-Governance-Strategie. Sie definiert den unternehmensweiten Umgang mit Informationen und den Effizienzgrad von Regularien und Prozessen, die Informationen im Unternehmen kontrollieren, schützen und nutzbar machen.
Welche Trends beziehungsweise innovativen neuen Technologien sehen Sie im Bereich des Business Continuity Managements?
Die entscheidenden Schlagworte sind hier Virtualisierung und Automatisierung. Rechenzentren sind heutzutage dermaßen komplex, dass Sie effiziente Werkzeuge brauchen, um die Komplexität zu reduzieren, die Infrastruktur flexibel zu nutzen und die Überwachung aller Prozesse und Komponenten zu automatisieren. Ein wichtiges Schlagwort ist hierbei IT-Governance. Damit ist ein Regelwerk gemeint, dass eindeutige Richtlinien für bestimmte Prozesse definiert. Sobald eine Regel verletzt wird, wird der Administrator informiert, damit er eingreifen kann. Wenn Sie beispielsweise ein nicht zulässiges Update durchführen wollen, stoppt ein solches System den Vorgang bevor er ausgeführt wird – bevor das Update möglicherweise zu einem Ausfall kritischer Komponenten führt.
Virtualisierung dagegen bietet die Möglichkeit, die Ressourcen im Rechenzentrum bedarfsgerecht einzusetzen. Der vordergründig größte Nutzen besteht darin, dass Kapazitäten effizienter ausgenutzt werden können. Aber auch für die Ausfallsicherheit bieten sich hier große Potenziale. Denn wenn Sie eine Anwendung unterbrechungsfrei in der Infrastruktur verschieben können, ohne dass der Anwender etwas davon merkt, können Sie natürlich auch viel schneller und einfacher reagieren, sollten einzelne Komponenten in der Infrastruktur ausfallen.
Ganz wichtig ist auch die Frage, wie schnell nach einem Ausfall die Systeme wiederhergestellt sind. Angesichts steigender Komplexität verbieten sich hier manuelle Prozesse von selbst. Bei einer automatisierten Systemwiederherstellung sind die Folgen der Rechenzentrumsausfälle nach wenigen Stunden nicht mehr spürbar.
Aber auch das ist für besonders kritische Prozesse oftmals nicht ausreichend. Daher bauen heute Unternehmen neben den mittlerweile verbreiteten Ausweichrechenzentren in der Region noch ein drittes auf, das möglichst auch geografisch weit entfernt liegen soll, um das Risiko noch weiter zu streuen.









