Fachartikel
Strategie Automobilindustrie
Effizienz in Wertschöpfungsnetzen steigern
Autor: Hartmut Lürßen, Lünendonk GmbH

Kaum eine Branche verändert sich so rapide wie die Automotive-Industrie: Neue Player drängen auf den Europäischen Markt, Traditions-Marken werden aufgekauft und weiterverkauft. Die Kunden stellen heute ihre Fahrzeuge mehr oder weniger modular zusammen. Die Modellpalette wird in immer kürzeren Abständen aktualisiert. Telematik und Infotainment verändern die Wertschöpfungskette. Flexibilität und Geschwindigkeit sind daher in Entwicklung und Fertigung Trumpf.

Kein einzelner Hersteller kann diese Aufgaben mit vertretbarem Aufwand allein lösen. Daher sinkt die Fertigungstiefe kontinuierlich. Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Zulieferer. Sie produzieren heute nicht mehr einzelne Bauteile nach Vorgabe, sondern entwickeln komplette Komponenten. Statt Wertschöpfungsketten bilden sich Wertschöpfungsnetze, weil Zulieferer ihre neuen, umfassenderen Aufgaben ebenfalls nur kooperativ lösen können. Zudem müssen sie wegen des Preisdrucks im Markt ihre Effizienz kontinuierlich steigern, um profitabel zu wirtschaften.

Verteilte Entwicklung erfordert hohen Kommunikationsbedarf

Diese Situation erfordert ständige, intensive Kommunikation zwischen allen Akteuren sowie den Austausch, die gemeinsame Bearbeitung und den gemeinsamen Zugang zu häufig unstrukturierten Daten. Beispielsweise müssen Entwürfe meistens von mehreren Entwicklern oder Firmen, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind, eingesehen und immer wieder modifiziert werden. Weitere Beispiele unstrukturierter digitaler Daten sind die allfälligen E-Mail-Anhänge sowie Daten oder Bilder aus der Qualitätssicherung. Zusammen ergeben sie einen schnell anwachsenden Datenberg außerhalb des bewährten Datenbank-Schemas. Er muss mit vertretbarem Aufwand digital gespeichert werden, schnell zugreifbar und trotzdem sicher sein.

Geschieht das nicht, sinkt die Effizenz in der Fahrzeugentwicklung. Es dauert länger, wichtige Informationen zu finden. Darunter leidet die time-to-market, neue Modelle werden verzögert ausgeliefert und Marktanteile gehen verloren. Oder es entstehen hohe Kosten durch Rückrufaktionen, weil die Qualitätssicherung nicht mehr in vollem Umfang abgeschlossen werden konnte. Das Daten- und Informationsmanagement wird daher auch in der Automobilindustrie immer mehr zu einer Schlüsselaufgabe der IT.

ECM schafft Ordnung im Datenwust

Das belegt auch eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Lünendonk. Befragt wurden 30 ranghohe IT-Entscheider aus großen deutschen Unternehmen, darunter auch mehrere Unternehmen aus der Automobil- und Zuliefererbranche. Die Studie ergab, dass die Befragten ECM (Enterprise Content Management), Archivierung und Datenmanagement gleich nach ERP (Enterprise Resource Planning) und SAP-Themen für das drittwichtigste Projektthema der nächsten Jahre halten. Mehr als 80 Prozent wollen bis 2008 ein ECM (Electronic Content Management)-System implementieren.

Das verwundert nicht: Sind doch Automatisierungs-Tools wie ECM-Software, BI/Data Warehousing-Lösungen und Information Lifecycle Management genau jene Technologien und Konzepte, die helfen, den Datenwust geordnet zu verwalten und kosteneffizient den größtmöglichen Nutzen zu ziehen.

Entwicklungsdokumentation, Zeichnungen und andere Daten lassen sich mit ECM effizient verwalten. Werden Daten oder Bilder aus dem Qualitätsmanagement sicher und schnell zugänglich gespeichert, kann das Unternehmen schlüssig nachweisen, dass ein Produkt das Werk einwandfrei verlassen hat. Wichtige Geschäftsdaten aus unterschiedlichen Quellen können mit BI/Data Warehouses konsolidiert und Management-tauglich strukturiert werden. Schließlich sorgt ILM mit einer mehrstufigen Storage-Architektur für Kosteneffizienz und leichten Zugriff auf die Daten. Damit bietet die IT heute leistungsfähige und solide Werkzeuge, die aus Datenbergen einen wertvollen Produktionsfaktor für die Wertschöpfungsnetzwerke in der Automobilindustrie machen können.

Notes: